Korschenbroich: Weiber eroberten die Macht
VON SABINE WOTZLAW UND KARIN VERHOEVEN - zuletzt aktualisiert: 12.02.2010Korschenbroich (RPO). Um Punkt 11.11 Uhr hat es einen Machtwechsel im Jüchener Rathaus gegeben: Mit Helau-Rufen zogen elf Närrinnen vom Verein Dycker Wiewer in den zweiten Stock. "Wir wollen die Macht", rief Erika Jansen, Vorsitzende des Vereins.
Sie stürmte mit ihren Tanzmariechen das Büro von Bürgermeister Harald Zillikens: "Wenig überrascht sagte dieser nur "Ich bin gerade Mal hundert Tage im Amt." Doch die Dycker Wiewer kannten kein Erbarmen und legten dem Verwaltungschef erst einmal Handschellen an. Mit einem dreifachen Helau und viel Radau brachten die närrischen Wiewer Zillikens ins Foyer des Rathauses, wo er von rund 30 Verwaltungsmitarbeitern mit Applaus empfangen wurde.
Bevor die Närrinnen dem Bürgermeister symbolisch den Schlüssel abnahmen und die Krawatte abschnitten, machte Jansen den Bürgermeister auf die dramatische Finanzsituation der Gemeinde aufmerksam. "Ihr habt im Kopf nur lauter Faxen und lasst die Schuldenberge wachsen", klagte sie in ihrer Rede. "Uns fehlt der Weitblick, ihr schaut nicht mal über den Tellerrand", entgegnete Zillikens. Dann rief Jansen zum Sturmangriff auf. Zum Schluss gab es noch Küsschen und einen Orden für den Bürgermeister. Nach 50 Litern Freibier wurde Zillikens von den Dycker Wiewern ins Gierather Feuerwehrgerätehaus gebracht, wo ausgelassen weiter gefeiert wurde.
In Hochneukirch schlug die Stimmung schon längst hohe Wellen, als gegen 15 Uhr das Kinderprinzenpaar Anna Lüpgens (9) und Dominik Bohnen (11) mit der Garde ihren großen Auftritt auf dem Markt und im Festzelt hatten. Martina Kamphausen aus Odenkirchen und Astrid Vogt, die erst gut zwei Jahre in Hochneukirch lebt, waren total begeistert: "Das ist ja heute Wahnsinn hier – das macht tierischen Spaß!"
Sehr viel mehr als 200 Leute passten auch bei den unbarmherzigen Minusgraden nicht ins Hauptzelt, also füllten sich ganz schnell auch das Vorzelt und sogar der Platz davor. "Juppi" Pega von den veranstaltenden "Nökercher Jecke" musste sich wacker schlagen an der Kasse und meinte: "Es sieht gut aus!" Das Personal des Kindergartens St. Panthaleon verstand es zu feiern wie auch Benedikt Obst, der "Vize" des Heimatvereins Hochneukirch. Nicht mehr wieder zu erkennen in schwarzer Afro-Look-Perücke war auch Thomas Effertz.
Übrigens blieben etliche Männer bei dieser tollen Stimmung ganz einfach in Hochneukirch, statt wie geplant nach Köln zu fahren. Gegenüber dem Festzelt hatten wie seit über 20 Jahren Willi und Elisabeth Müller ihren Eierstand und freuten sich: "Altweiberkarneval ist hier noch nie so groß gewesen!"
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