Korschenbroich: Wie das Ross an die Theke kam
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 19.10.2011Korschenbroich (RP). Ein Pferd in der Kneipe "Zum Anker", grün lackierte Ziegen in Herrenshoff und eine Geheimagentin in Kleinenbroich – solche Anekdoten liefert ein neues Buch von Kerstin Lange. Ein Lesevergnügen nicht nur für Ur-Korschenbroicher.
Wer die Sache mit den Vierbeinern an der Theke erfunden hat, ist nicht mehr zu sagen. Klar ist nur: Die Liedberger bugsierten einst einen leibhaftigen Esel an den Tresen des Gasthofs Vennen. Wie bei allen solchen Kneipenspäßen waren etliche Bierchen und die Stimmung gleichermaßen gehoben, die Gäste befanden sich in Wettlaune.
So erzählt es jedenfalls Kerstin Lange in ihrem Buch "Bis gleich am Hannenplatz!". Manches an den Anekdoten und Geschichten aus dem Korschenbroich der 50er und 60er Jahren sei zwar mit Fantasie ausgeschmückt, sagt die Autorin. "Aber alle Geschichten haben einen wahren Kern", versichert die Glehnerin. Dass das auch im Fall der Vierbeiner an Korschenbroicher Tresen stimmt, beweist eines der Fotos in dem soeben erschienenen Buch der Glehnerin.
Das Buch
Titel Kerstin Lange, Bis gleich am Hannenplatz. Geschichten und Anekdoten aus Korschenbroich
Verlag Wartberg Verlag
Preis elf Euro
ISBN 978-3-8313-2285-5
Das Bild aus dem Jahr 1965 zeigt ein Pferd am Tresen der Gaststätte "Zum Anker". Ob die Korschenbroicher dem Liedberger Vorbild folgten oder umgekehrt, ist leider nicht mehr zu sagen.
Was Kerstin Lange, Jahrgang 1966 und Autorin von Kurzgeschichten und eines Krimis, in dem fast 80 Seiten starken Buch versammelt hat, haben ihr eine Reihe von Korschenbroichern in amüsanten Gesprächen erzählt. Der eine oder andere sei zunächst etwas skeptisch gewesen, ob eine um einiges jüngere Zugezogene mit den Dorfanekdoten etwas anfangen könne. Aber dann haben doch viele mit Begeisterung erzählt.
Einen Fan hat das Buch schon gefunden: "Ja, an die Hackis in der Gaststätte Lappessen kann ich mich auch noch erinnern", schwärmte gestern Bürgermeister Heinz Josef Dick bei der Buchpräsentation. Für Nicht-Glehner: Hackis waren die Spezialität der Gaststätte und bestanden aus zwei Schwarzbrot-Scheiben mit einer dicken Lage Mett und Zwiebeln dazwischen.
"Frau Lappessen war herzensgut. Sie ging sogar noch um ein Uhr nachts in die Küche, um Hackis zu schmieren, wenn einer Hunger hatte", erinnert sich Dick. In Kerstin Langes Buch setzt die Geschichte "Hackis bei Lappessen" der Delikatesse ein Denkmal.
Auch für Zugezogene, die erfahren wollen, wie alteingesessene Dörfler "ticken", ist das Buch ein Lesespaß. Sie erfahren, wie sich zwei Schützen in Herrenshoff einst gegenseitig das Paradepferd weiß und die Ziegen grün anmalten. Und sie können lesen, wie sich eine hübsche Blondine als Geheimagentin ausgab und für hohe Nato-Offiziere 40 "Steaks vom Feinsten" in der Gaststätte "Zum Löwen" bestellte. Oder wie Schütze Kurt Franken Fahnenschwenker wurde, die Krampe Dämm zufroren, die Pescher ihre Kirche bauten. . . und noch viel mehr.
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