Korschenbroich: Zum 25. Mal - jeck und bunt
VON RUDOLF BARNHOLT - zuletzt aktualisiert: 20.02.2012Korschenbroich (RP). Bei Sonne und kaltem Wind zogen am Sonntag Mittag zehn Gruppen von der Andreas-Schule bis zur Bolten-Brauerei. Gerüchte, wonach die Sportfreunde zum letzten Mal diesen Zug organisierten, tat Peter Baukloh als "falsch" ab.
"Rund ist der Ball – Neersbroicher feiern überall" lautete das Motto des Vereins, der weder Helau noch Alaaf, sondern "Käfer fleech" auszurufen pflegt. Eine weitere Besonderheit, die die Sportfreunde Neersbroich kultivieren: Niemand muss sich anmelden, wer kommt, der kommt. Zugleiter Dominik Lingen hoffte auf 15 teilnehmende Gruppen – tatsächlich kamen jedoch nur zehn. Auch eine von zwei Musikkapellen machte nicht mit – für die jecken Töne waren alleine die "Show-Trompeten-Tramps" aus Nettetal-Schaag zuständig.
Martha Blamann (60) hat an allen 25 Zügen teilgenommen. Gestern verkündete sie als stolze Venezianerin, dass sich der Karnevalsverein der Sportfreunde Neersbroich in wenigen Stunden auflösen würde – Schluss mit lustig. Nächstes Jahr werde es keinen Zug mehr geben.
Närrischer Lindwurm
Weiter Weg Die Karnevalsfreunde legten rund drei Kilometer zurück – bis zur Bolten-Brauerei.
Zwischenstation Bereits nach 200 Metern der erste Stopp: Der Zug hielt sich auf dem Gelände des Korschenbroicher Altenheims auf, sehr zur Freude der Senioren.
Tradition Es war der 25. Karnevalszug der SF Neersbroich.
Die Narren waren entsetzt, entwickelten aber spontan eigene Ideen: "Dann machen wir etwas in Kleinenbroich", erklärte Reinhild Aepfelbach, die als Paradiesvogel verkleidet war. Sportfreunde-Vorsitzender Peter Baukloh bestätigte gegenüber der RP, dass sich die Initiatoren des Zuges zwar zurückzögen, gleichwohl werde es im nächsten Jahr wieder einen Sonntagsumzug in Korschenbroich geben.
Erstaunlich, dass die bescheidene Zahl von zehn Gruppen ausreichte, um für einen recht stattlichen Zug zu sorgen. Die Kicker der Sportfreunde machten im Fußballdress mit – Jan Hamacher (19) gehörte zu den ganz Abgehärteten, die im Kurzarm-Trikot mitmarschierten. Aber auch die Spielerfrauen, als Piratinnen verkleidet, trotzten dem kalten Wind mit freiem Dekolleté.
Bei Margot und Jürgen Verjans im Keller hatte sich vor vielen Jahren der Karnevals-Bazillus ausgebreitet – die "Kellerasseln" machten gestern als Dominosteine mit. Martina Flerlage war eine von vielen "Jecke Dolls" – die Paradiesvögel brachten maximale Farbvielfalt auf die Straße. Schützen des Zuges "Immerto" mit Freunden und Frauen hatten sich als Gary Glitter verkleidet. Die Rettungsdecken, aus denen sie ihre prachtvoll glänzenden Jacken geschnitten hatten, wärmten wohltuend gut.
Jörg Hündgen, Chef von "Haartrends", kam selber als Löwe und hätte mit seinen Mitarbeiterinnen einen Zoo mit bemerkenswerter Artenvielfalt eröffnen können. Ein besonderer Hingucker: Iris Flemming im hautengen schwarzen Lackoutfit als Panther.
Den Zugweg säumten gestern einmal mehr diverse "Erfrischungsstationen". Aber die Narren im Zug gaben auch etwas zurück: Sie sparten nicht mit Kamelle.
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