Krefeld Pinguine: Der sympathische Spielverderber
VON H.-G. SCHOOFS - zuletzt aktualisiert: 27.10.2009Obwohl Trainer Martin Jiranek am Sonntag mit den Krefeld Pinguinen den Nürnberg Ice Tigers deren achte Niederlage in Folge zufügte, wurde der ehemalige Top-Torjäger hinterher von den Fans der Gastgeber gefeiert. Der 40-jährige Kanadier war nach dem Match sichtlich erleichtert.
Eishockey So richtig konnte sich Martin Jiranek in Nürnberg nach dem 5:4-Sieg seiner Mannschaft gar nicht darüber freuen, dass ihm aus dem Lager des Gegners trotz seiner Rolle des Spielverderbers unheimlich viel Lob und Anerkennung zugesprochen wurde.
Denn die Angst, sein erstes Schlüsselspiel als Trainer der Pinguine trotz einer 4:1-Führung verlieren zu können, stand dem sympathischen Kanadier auch nach der Pressekonferenz noch ins Gesicht geschrieben. Vielleicht hat Richard Pavlikovsky in der 53. Minute mit dem ersten Krefelder Unterzahltreffer der Saison nicht nur dem Team ganz wichtige Punkte gerettet, sondern auch dem Trainer dessen Job.
Kollektiver Blackout
Die 112 Sekunden, in denen die bis dahin harmlosen Ice Tigers zu Beginn des Schlussdrittels mit drei Treffern den nie geglaubten Ausgleich schafften, werden Jiranek noch lange in Erinnerung bleiben: "Darüber müssen wir bis zum nächsten Spiel viel reden." Allerdings konnte er der unnötigen Zitterpartie auch etwas Positives abgewinnen: "Vielleicht ist es gut, dass wir uns nochmal selbst das Leben schwer gemacht haben. Jetzt bleiben die Spieler wenigstens am Boden." Ähnlich sah es auch Stürmer Daniel Pietta: "Lieber ein wichtiges Spiel so gewinnen, als mit 7:1."
Wichtig ist, dass sich die Mannschaft nach dem kollektiven Blackout schnell wieder fing und zu erkennen gab, ihren Trainer auf dessen Lieblingseis nicht im Regen stehen lassen zu wollen. Dass ausgerechnet Pavlikovsky den Siegtreffer erzielte, ist typisch.
Denn der 34-jährige Verteidiger ging in den letzten Begegnungen stets mit gutem Beispiel voran, wie man fehlendes Glück mit Kampfgeist wettmacht. Kein Pinguin war im ersten Viertel (14 Spiele) der Punkterunde so lange auf dem Eis wie der Slowake. Kurz nach seinem zweiten Treffer an diesem Abend warf er sich vor dem eigenen Tor in einen Schuss und krümmte sich anschließend vor Schmerzen auf dem Eis.
Einer, der sich ebenfalls nicht zu schade ist, heißt Boris Blank, der sich in Nürnberg mit seinem vierten Saisontreffer selbst belohnt. Zufrieden gibt er sich damit nicht: "Jetzt müssen wir unsere Hausaufgaben machen und das Heimspiel gegen Hamburg gewinnen."
Eine etwas ungewohnte Figur gab Jiri Ehrenberger in Nürnberg ab. Normalerweise steht der sportliche Leiter wie ein Eiszapfen regungslos an der Band. Sonntag machte er sich fleißig Notizen und wirkte mit seiner Zettelwirtschaft wie ein Oberlehrer. Co-Trainer Reemt Pyka antwortete auf die Frage, warum Ehrenberger so viel aufgeschrieben habe: "Keine Ahnung, das interessiert mich auch nicht."
Vielleicht gehört das ja seit Ehrenbergers Gespräch am Dienstag mit den Aufsichtsratsmitgliedern Helmut Borgmann und Dieter Berten zum veränderten sportlichen Konzept des Managers und er hat den Auftrag bekommen, die Arbeit des Trainerduos genauer zu analysieren. Oder soll er vielleicht wie vor zwei Jahren wieder in die Doppelrolle Manager/Cheftrainer schlüpfen? Dann dürften die KEV-Fans sicher auf die Barrikaden gehen.
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