Krefeld Pinguine: Robert Müller will Normalität
VON H.-G. SCHOOFS - zuletzt aktualisiert: 20.11.2008Wenn die Pinguine am Sonntag im König-Palast die Kölner Haie empfangen, wird dabei die Rückkehr des Meister-Torwarts von 2003 zwangsläufig in den Mittelpunkt geraten. Die KEV-Fans wollen den unter einem Gehirntumor leidenden Rosenheimer unterstützen.
Die Krefelder Eishockey-Fans waren sehr geschockt, als vor zwei Wochen bekannt wurde, dass Robert Müller unter einem unheilbaren Gehirntumor leidet. Seitdem ist viel über den Meister-Torwart der Pinguine von 2003 gesagt und geschrieben worden.
Wenn alles nach Plan läuft, wird der 28-jährige Rosenheimer am Sonntag als Ersatztorwart der Kölner Haie zum Auswärtsspiel in den König-Palast kommen. Keine Frage, die sportliche Rivalität der beiden rheinischen Kontrahenten rückt dabei in den Hintergrund.
Aber genau das will Robert Müller nicht. In den letzten Tagen machte der zweifache Familienvater deutlich, dass er als normaler Mensch behandelt werden will. Natürlich freut er sich beim Kampf gegen den Tumor über jede Unterstützung.
Aber in den Mittelpunkt will er damit nicht geraten. Er ist um Normalität bemüht. Wie sagte er bereits, als die Krankheit entdeckt wurde und er in die Schlagzeilen geriet: „Ich muss erst so schlimm krank werden, damit sich so viele Leute für Eishockey interessieren.“
Legendäres Sechs-Stunden-Match
Vor zwei Jahren wurde der Tumor in seinem Gehirn gefunden und teilweise entfernt. Schon damals wusste Robert Müller, dass die OP nicht der Anfang vom Ende der Krankheit war. Trotzdem gab er den Kampf gegen den Krebs nicht auf, im Gegenteil. Er kehrte im Trikot von Adler Mannheim aufs Eis zurück. Über Duisburg kam er letzte Saison nach Köln, wo er im Play-off-Viertelfinale beim legendären Sechs-Stunden-Match gegen Mannheim am Ende als Held gefeiert wurde.
Spätestens jetzt glaubte jeder, Robert Müller habe den Krebs besiegt. Nur knapp vier Monate später war der Tumor wieder so groß, dass er zum zweiten Mal operiert werden musste. Dabei wurde das wirkliche Ausmaß der Krankheit bekannt. Die KEV-Fans werden Sonntag zweifelsohne mit gemischten Gefühlen ins Stadion gehen. Sie diskutieren über Aktionen, mit denen sie Robert Müller unterstützen wollen. Ihre Sympathie für den gebürtigen Rosenheimer gaben sie immer zu erkennen, wenn die Pinguine auf ihren Ex-Torwart trafen. So wie im Dezember 2005.
Damals stand fest, dass Robert Müller am Saisonende nach Mannheim zurückkehren wird. Beim Heimspiel gegen die Adler stand auf einem großen Transparent „Krefelder ein Leben lang“ geschrieben. Darüber leuchtete die Zahl 80. Als der Torwart einlief, hielten Zuschauer gelbe Schilder mit der Aufschrift Müller hoch. Die KEV-Fans haben ihn nicht nur wegen seiner Fangkünste und als Meister-Goalie in ihr Herz geschlossen.
Auch außerhalb der Eisfläche ist er ein großer Sympathieträger des Eishockeys. Mit seiner Aktion „Robert for kids“ kümmerte er sich um kranke Kinder und Jugendliche des Klinikums Krefeld, lud sie in die Mannschaftskabine ein, besuchte sie vor Weihnachten am Krankenbett und sprach den kleinen Patienten Mut zu. Jetzt ist er selbst Patient und zeigt eindruckvoll, wie man kämpft. Die Kraft schöpft er aus dem Eishockey. „Dafür lebe ich“, sagte er kürzlich.
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