Krefeld: 45.000 Quadratmeter mehr Spielplätze
VON SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008Krefeld (RPO). Damit die Innenstadt wieder zur attraktiven Wohngegend wird, sollen Schulhöfe als Spielflächen geöffnet werden. Ein Vorschlag, dem die Politik zustimmt. Im Gegensatz zu den Schulleitern: Sie fürchten Randalierer.
Die Schulhöfe in der Innenstadt sollen nach dem Unterricht für spielende Kinder offen sein – wenn es nach dem Forschungsinstitut Inwis und den Stadtplanern Pesch und Partner geht. Ihr städtebauliches Konzept soll Krefelds City als Wohngebiet attraktiver machen. Der Schulhof-Spielplatz kommt in der Politik überwiegend gut an. Die Schulleiter der Innenstadt-Gymnasien befürchten aber jetzt Zerstörungen.
Ein zumutbarer Lärmpegel
„Ich habe Bedenken, dass Dinge, die unser Förderverein mitfinanziert hat, durch nicht artgerechte Nutzung zerstört wird“, sagt Uwe Roscheck (Ricarda-Huch-Gymnasium). In den Sommerferien seien bereits Fenster zerschossen worden. Montags finde er regelmäßig Partyüberreste vom Wochenende auf dem Schulhof. Unerbetene Besucher könnten es noch bunter treiben, wenn der Hof geöffnet wird. Roschecks Forderung: Ein Sozialpädagoge müsste die Spielplatzbesucher beaufsichtigen.
Spiel in der Innenstadt
Das Konzept bemängelt, dass es in der Innenstadt nur wenig Spielflächen für Kinder gibt.
Spielplätze Von den 16 Spielplätzen in der Innenstadt müssten danach bis auf die Spielfläche am Anne-Frank-Platz acht komplett und sieben teilsaniert werden.
Schulhöfe Die Höfe der Innenstadt-Schulen sind 45 000 Quadratmeter groß. Dem gegenüber stehen 22 000 Quadratmeter Fläche auf Spielplätzen.
Ähnlich sieht es Waltraud Fröchte (Fichte-Gymnasium): „Ohne Aufsicht kommen in der Innenstadt Leute auf den Hof, die man dort nicht haben möchte.“ Harald Rosendahl (Arndtgymnasium) weist außerdem darauf hin, dass in Schulen mittlerweile bis 16 Uhr unterrichtet wird und es währenddessen ruhig auf dem Hof sein muss: für seine Schüler genauso wie für die Teilnehmer der Volkshochschul-Kurse, die schon am frühen Abend im Arndtgymnasium laufen.
Monika Scheelen, schulpolitische Sprecherin der SPD, ist beim Thema „offene Schulhöfe“ skeptisch: „Die Wirklichkeit zeigt: Es geht nicht ohne sozialpädagogische Begleitung.“ Sonst entwickele sich ein Hof zu einem Treff, in dem Jugendliche schlimmstenfalls Alkohol trinken und Nachbarn stören. Das Problem der Lautstärke sieht auch Eckhard Lüdecke, Innenstadt-Koordinator der Stadt: „Bei der Umsetzung muss man einen geordneten Raum finden.“
Kinderspiel ist zumutbarer Lärm, meint die Politik. CDU-Ratsherr Peter Kaiser plädiert dafür, die Höfe im Sommer bis 19.30 Uhr zu öffnen. Geklärt sein müsste, wer Aufsicht führt, abschließt, und wie es bezahlt wird? Kaiser schlägt Spielplatz-Paten vor, bei konfessionellen Schule die Gemeinde. Paten hält auch Karl-Heinz Nix, für die FDP in der Bezirksvertretung Mitte, für eine Lösung. Er unterstützt die Idee der offenen Höfe bis 19 Uhr, solange diese nicht durch das Schulgebäude betreten werden müssen. „Da entstünden Personalkosten.“
Den Vorschlag „offene Schulhöfe“ forderten die Grünen seit Jahren, sagt Fraktionsvorsitzender Rolf Rundmund. Die Gefahr, dass unbeaufsichtigte Kinder randalieren, sieht er nicht. Rundmund plädiert für Kontrollen durch den kommunalen Ordnungsdienst. Die Zeiten für einen offenen Hof sollen die Schulen selbst vorschlagen, damit ihr Unterricht nicht gestört wird, sagt Gabriele Leigraf von der Unabhängigen Bürgerschaft. Dann sollten Kinder bis zwölf bis zurDämmerung (20 Uhr im Sommer) spielen. Der Hausmeister schließt ab.
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