Krefeld: Abschied vom Sarg
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.07.2008Krefeld (RPO). 44 Prozent aller voriges Jahr in Krefeld Bestatteten wurden in einer Urne beigesetzt.
Obwohl die Stadt Krefeld die Kosten für Feuerbestattungen angehoben hat, ist der Trend ungebrochen.Für die Mitarbeiter des Friedhofsdienstes kamen die Ergebnisse des jüngsten Betriebsabrechungsbogens überraschend. In dem Bogen, der die Bestattungszahlen des vergangenen Jahres dokumentiert, zeigt sich, dass der Trend zur Urnenbestattung in Krefeld ungebrochen ist. 43,6 Prozent – fast genauso viel wie im Vorjahr. „Wir waren ein wenig überrascht von dem konstant hohen Anteil“, sagt Heike Blondin, Sachgebietsleiterin der Zentralen Friedhofsdienste.
Dass sie überrascht war, liegt an einer Preissteigerung: In Krefeld wurden die Gebühren für Urnenbestattung angehoben, die Gebühr ist fast genauso hoch wie für eine Erdbestattung. Deshalb hatten die Mitarbeiter der Friedhofsdienste mit einem Rückgang der Urnenbestattung gerechnet. Von 2131 Beerdigungen im Jahr 2007 erfolgten aber 931 in der Urne, 1200 per Erdbestattung. Zum Vergleich: 1995 wurden bei 2541 Bestattungen 2000 Krefelder erdbestattet, nur 541 (21 Prozent) in der Urne.
Weitere Möglichkeiten
Asche verstreuen Neben der normalen Urnenbestattung gibt es auf den Krefelder Friedhöfen auch die Möglichkeit, seine Asche verstreuen zu lassen. Von dieser Möglichkeit machten jedoch im Schnitt nur ein bis zwei Personen jährlich Gebrauch, sagt Heike Blondin.
Ausland Bei den Krefelder Friedhofsdiensten macht sich noch ein anderer Trend bemerkbar. Immer häufiger werden Leichname von Krefeldern auch in Holland verbrannt. Dort ist es es wesentlich günstiger, kostet nur rund 500 Euro.
Erdbestattung attraktivieren
Die Steigerung des Preises für Urnenbestattung wurde deshalb in Angriff genommen, weil Krefeld eine große Friedhofsfläche hat. Damit diese voll ausgenutzt wird, hatte die Stadt sich entschlossen, das Preisniveau der Urnenbestattung, für die nur ein kleines Grab nötig ist, anzuheben. 1743 Euro kostet eine Reihenerdbestattung im Schnitt auf Krefelds Friedhöfen, 1584 Euro eine gleichwertige Urnenbestattung. „Vorher war die Schere viel weiter auseinander“, sagt Heike Blondin.
Die Krefelder Bestatter erachten die Preiserhöhung für Urnenbestattung als angemessen. Uwe Zelz, Vorsitzender des Kreisbestatterverbandes: „Die hiesigen Friedhofsgebühren sind moderat.“ In anderen Städten wie Kempen seien die Preise für Urnen- und Erdbestattung sogar schon gleich. Und der Trend zur Urnenbestattung sei längst nicht gebrochen: „Die Zahl wird in den kommenden Jahren viel höher. Die Leute wollen nicht mehr 30 Jahre lang durch ihre Nachfahren eine Grabstätte pflegen lassen müssen.“
Den Trend zur Urnenbestattung verspürt auch Rolf Hartenstein vom Beerdigungsinstitut Josef Schmitz an der Hülser Straße. „Bei uns liegt die Zahl der Urnenbestattungen bei 50 Prozent. Das wächst Jahr für Jahr. Anfang der Neunziger lagen wir noch bei zehn Prozent.“
Die Reihengrabstätten für Urnen haben in Krefeld eine Größe von 80 mal 80 Zentimetern. Normale Reihengrabstätten für Erdbestattungen haben laut Satzung eine Größe von 2,50 mal 1,25 Meter. Die Preise für die Pflege eines normalen Grabes sind hoch. Bei 30 Jahren liegt in Krefeld das Nutzungsrecht – für die Pflege kämen im Laufe dieser Jahre leicht 9000 Euro zusammen, rechnet Hartenstein vor. Die geringeren Kosten seien längst nicht mehr der einzige Grund für die Urnenbestattungen, meintHartenstein: „Da spielt auch die Bequemlichkeit der Nachfahren eine Rolle. Kleinere Flächen sind einfacher und schneller zu pflegen.“
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