Krefeld: Abtreiben aus Geldnot
VON TANJA BUCHHOLZ - zuletzt aktualisiert: 28.07.2008Krefeld (RPO). Finanzielle Probleme sind für viele schwangere Frauen in Krefeld ein Grund über Abtreibung nachzudenken. Hartz-IV-Empfängerinnen oder Alleinerziehende haben Angst, dass das Geld nicht ausreicht.
Eine Schwangerschaft ist nicht immer ein freudiges Ereignis. Besonders nicht für die Frauen, die eine Konfliktberatungstelle aufsuchen. „Viele dieser Frauen sind verzweifelt, wissen oft nicht mehr weiter“, sagt Helga Bauer, Leiterin der Beratungsstelle Pro Familia in Krefeld. Frauen, die Hartz-IV beziehen oder alleinerziehend sind, kommen oft zu ihr und überlegen, ob sie das Kind überhaupt bekommen sollen. Ihr Geld reicht einfach nicht aus.
397 Frauen suchten im vergangenen Jahr Rat bei Pro Familia in Krefeld. 90 von ihnen überlegten aufgrund ihrer finanziellen Situation, das Kind abzutreiben. Bauer: „Weil diese Frauen so wenig Geld haben, können sie sich die Pille nicht leisten und werden ungewollt schwanger. Denn der Staat übernimmt die Kosten nicht für Verhütungsmittel.“
„Kinder sind nun mal ein Armutsrisiko in unserer Gesellschaft“, sagt Bauer. Dabei sind auch immer mehr Frauen aus der Mittelschicht, Angestellte und Akademikerinnen betroffen. Für sie sei es schwierig, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen, manche wollten ihren hart erkämpften sozialen Status auch nicht verlieren. Das bestätigt auch die Diplomsozialarbeiterin Marita Tautz von Donum Vitae: „Es sind nicht unbedingt nur sozial schwache Schichten, die wir betreuen. Die Klientel reicht von der Juristin, über die Ärztin bis hin zur Hausfrau. Doch gerade Frauen, die von ihrem Partner verlassen wurden, haben große Sorge abzurutschen und sind im Konflikt, ob sie das Kind bekommen sollen.“ Von den 400 Frauen, die Pro Familia 2007 aufsuchten, ließen sich etwa Dreiviertel zum Thema Schwangerschaftsabbruch beraten. Für Frauen, die in einer stabilen Beziehung lebten und ein gutes soziales Umfeld hätten, sei eine Schwangerschaft gar kein Problem. Für andere sei es mutig, sich für das Kind zu entscheiden.
Frauen, die vor der Schwangerschaft berufstätig waren, zählt der Staat 67 Prozent des letzten Netto-Gehaltes, ein Jahr lang. „Das lohnt sich aber auch nur, wenn man vorher gut verdient hat. Dazu kommt erschwerend, dass Väter oft den Unterhalt nicht zahlen und von den 154 Euro Kindergeld kann niemand wirklich leben“, sagt Tautz.
Die Beratungsstellen loten alle Möglichkeiten für die Betroffenen aus. Tautz: „Ob sich die Betroffenen dann für oder gegen ihr Kind entscheiden, wissen wir nicht.“ Ein Schwangerschaftsabbruch kostet in Krefeld etwa 400 Euro.
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