Krefeld: Acht-Kilo-Tumor im Bauch
VON NATASCHA VERBÜCHELN - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010Krefeld (RPO). Es war ein außergewöhnlicher Befund: Im St. Josefshospital ist einer Patienten ein kindskopfgroßer Tumor am Eierstock entfernt worden. Die Operation war schwierig: Ein Platzen des Tumors wäre gefährlich geworden.
Er war acht Kilo schwer, so groß wie der Kopf eines Kindes und verdrängte Magen, Darm und andere Organe im Bauchbereich. Der Tumor einer 63-Jährigen hat für einiges Aufsehen am St Josefshospital in Uerdingen gesorgt. Über vier Wochen lang klagte die Frau über Bauchschmerzen. Ihr Bauch schwoll immer stärker an. Bei einer Untersuchung entdeckten die Ärzte die Ursache: Ein gewaltiger Tumor im rechten Eierstock, der den gesamten Bauchraum ausfüllte.
Eierstockkrebs ist die sechsthäufigste Krebserkrankung bei Frauen, aber auch die mit der höchsten Sterblichkeit. "Die Patientinnen haben keine direkten Beschwerden. Bei der Entdeckung des Krebs haben sich bei 50 Prozent der Patienten bereits Metastasen gebildet", erklärt Dr. Reinhard Becker, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe. Er hat im vergangenen Jahr etwa 20 Frauen mit Eierstocktumoren operiert. Eine Diagnose ist auch für Mediziner schwer. Beim Abtasten und Ultraschall ist der Eierstockkrebs kaum zu entdecken. Auch ein Test auf ein bestimmtes Hormon, das spezifisch in Tumorzellen auftaucht, bringt kein verlässliches Ergebnis.
Eierstockkrebs
Risikofaktoren höhes Lebensalter, keine Kinder, späte Menopause oder eine Brustkrebserkrankung.
SchutzDie Einnahme der Anti-Baby-Pille verringert das Krebsrisiko um 50 Prozent in fünf Jahren.
Tumorsprechstunde Jeden Mittwoch im St Josefshospital. Termin nach Vereinbarung unter 452378.
Warum Tumore entstehen und wodurch sie ausgelöst werden, ist völlig unbekannt. Die betroffenen Gewebezellen wachsen sinnlos und teilen sich häufig. Sich davor schützen, kann man kaum. Becker rät aber zu regelmäßigen Vorsorge-Untersuchungen.
Tumor durfte nicht platzen
Die Operation hat auch den erfahrenen Chefarzt vor eine Herausforderung gestellt: "Ich hatte zwei Sorgen: dass die Gewebeschichten stark verwachsen sind; und es bestand die Gefahr, dass die Tumorkapsel zerreißt. Das wäre eine Katastrophe gewesen. Wir mussten unheimlich vorsichtig sein." Nur eine dünne, durchsichtige Haut hielt die acht Kilo des Tumors zusammen. Wäre diese verletzt worden, hätten sich die Tumorzellen im gesamten Bauchbereich verteilt. Doch der Chefarzt und sein Operationsteam waren vorbereitet: "Wir wussten ja, was uns erwartet. Deshalb habe ich einen sehr langen Bauchschnitt gesetzt. So konnten wir den Tumor im Ganzen aus dem Bauch herausholen." Während der Operation sind Gewebeproben in der Pathologie in einem Schnelltest auf Krebsbildung untersucht worden. Die Patientin in Krefeld hatte Glück im Unglück: Der riesige Tumor in ihrem Bauch war zwar bösartig, aber verschlossen. Eine Verwachsung mit dem umliegenden Gewebe erfolgte nur im Tumor selbst.
Die 63-Jährige ist vollkommen geheilt. Auch eine Strahlentherapie bleibt ihr erspart. Der gute Ausgang der zweistündigen Operation sei vor allem auch der guten Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen gewesen, lobt Becker : "Das Zusammenwirken hat hervorragend funktioniert. Der interne Verlauf war völlig schlüssig, so dass jetzt alle glücklich sein können."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



