Krefeld: Alkoholverbot auf Theaterplatz
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.07.2007Krefeld (RPO). Im Rathaus wird ein Verbot des Konsums von Alkohol für Teilbereiche der Innenstadt diskutiert. Noch ist die Diskussion nicht abgeschlossen. Andere Städte machen es vor. In Erlangen und Venlo gibt es bereits solche Verbote.
Das heiße Eisen Theaterplatz ist in der Krefelder Verwaltung weiter in der Diskussion. Neues Gedankenspiel: ein Alkoholverbot. Für die gesamte Innenstadt oder nur den Theaterplatz – noch ist das Ergebnis offen: „Die vom OB initiierte Runde trifft sich erst nach der Sommerpause wieder“, sagt Timo Bauermeister, Pressesprecher der Stadt Krefeld.
Die Idee ist nicht neu. Unweit von Krefeld, eine halbe Autostunde und 33 Kilometer entfernt, praktiziert eine Verwaltung das Alkoholverbot bereits. In Venlo, Krefelds Partnerstadt, gibt es seit 1. Mai ein absolutes Alkoholverbot. Dass diese Variante für die Krefelder Innenstadt praktikabel ist, wird in der Seidenstadt bezweifelt: „Ein Alkoholverbot in einem größeren Bereich kann nicht über Verordnungen geregelt werden“, sagt Pressesprecher Bauermeister. Die Stadt habe die Frage geprüft, Rechtsreferat und Ordnungsbehörde seien beide zur gleichen Auffassung gekommen: Ein Verbot sei rechts- und eventuell gar verfassungswidrig.
Hilfe für Ex-Alkis
Frank Tüngler, Leiter der Krefelder Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz, steht der Idee zwiespältig gegenüber. Der Anitalkoholiker-Gruppe gehören 20 ehemals Abhängige an, fünf davon gehörten zur Theaterplatzszene. Oft würden die von ihm betreuten Suchtkranken von „Saufdruck“ heimgesucht. Tüngler sagt: „Es würde diesen Menschen helfen, wenn es am Theaterplatz keine Szene gäbe.“
Teilverbot wäre praktikabel
Gleichwohl gibt es eine zweite Variante, mit der sich Krefeld offenbar anfreunden kann. Das Alkoholverbot ließe sich auf neuralgische Punkte beschränken: Dies ist im Paragraphen 2, Absatz 3, der „Ordnungsbehördlichen Verordnung über die öffentliche Sicherheit und Ordnung auf den Verkehrsflächen und Anlagen“ geregelt. Dort heißt es: „Nicht bestimmungsgemäße Benutzung und deshalb verboten ist insbesondere (...) das Verweilen auf öffentlichen Verkehrsflächen und Anlagen in betrunkenem Zustand mit erkennbaren Ausfallerscheinungen und zur Abhaltung von Trinkgelagen.“ Dies wäre ein Mittel, um der Szene auf dem Theaterplatz Einhalt zu gebieten.
Krefeld wäre auch nicht die erste deutsche Stadt, in der Alkohol verboten ist. In Erlangen müssen Alkoholkonsumenten im öffentlichen Raum erst eine Belehrung in Kauf nehmen, im Wiederholungsfall gibt es ein Bußgeld. Die Reaktionen auf das Gedankenspiel eines Alkoholverbots für den Bereich von Innenstadt oder Theaterplatz sind noch gespalten. Franz-Joseph Greve, Vorsitzender des Werberings, erkennt Pro- und Contra-Argumente: „Wenn es hilft ist es gut, allerdings bin ich liberal denkender Mensch und glaube in dem Fall nicht, dass eine Einschränkung der Freiheit mehr Ordnung schafft.“ Walter Sosul, Vorsitzender des Krefelder Gaststättenverbandes (Dehoga), hält ein Alkoholverbot hingegen für eine gute Lösung: „Öffentliche Plätze sind meiner Meinung nach nicht dafür gemacht, dass man dort trinkt. Grundsätzlich würde das der Hotel- und Gaststättenverband sehr begrüßen.“ Er glaubt zudem, dass die Krefelder Gaststätten davon profitieren könnten.
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