Krefeld: Alle Krefelder Eichen sind krank
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009Krefeld (RPO). Seit gestern verteilen Mitarbeiter der Stadt auf dem Hülser Berg und im Hülser Bruch Kalk, um die Folgen des Sauren Regens abzuschwächen. Das alles scheint aber nichts gegen den Besorgnis erregenden Zustand der Eichen zu helfen.
In Krefeld wächst nicht eine einzige gesunde Eiche mehr. Waren 1994 noch mehr als die Hälfte der deutschen Stieleichen im Krefelder Wald gesund, gelten der aktuellen städtischen Statistik zufolge 70 Prozent als kränklich, 30 Prozent als krank oder gar abgestorben.
Um die Ursachen für die dramatische Entwicklung herauszufinden, haben Stadt und der Geologische Dienst NRW ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Eine erste wissenschaftliche Ergebnisse der Eichen-Untersuchung sollen laut Oberförster Arno Schönfeld-Simon im Februar vorliegen.
Mit Bodenproben wollen die Wissenschaftler beispielsweise den Einfluss des Sauren Regens auf einen der symbolträchtigsten Bäume messen, Die "deutsche Eiche" gilt als starker Baum. So kräftig aber scheint sie nun nicht mehr zu sein. Während sich der Buchenbestand wieder erholt hat – 75 Prozent der Krefelder Buchen sind gesund – ist der Zustand der Eichen Besorgnis erregend. Auch der immer häufiger zu findenden amerikanischen Roteiche geht es nicht gut, 100 Prozent des Bestands stuft die Stadt als kränkelnd ein.
Was der Kalk macht
Mensch Für den Menschen ist Kalk ungefährlich, er sollte ihn nur nicht direkt einatmen, wenn die Maschine ihn ausbläst.
Boden Mit dem sauren Regen gelangen sogenannte H*-Ionen in den Boden, die die Wurzel zerstören. Der Kalk verbindet sich mit den Ionen, macht sie unschädlich.
Liegt es am Grundwasser?
Als kränkelnd gilt ein Baum, der zwischen elf und 25 Prozent seiner Blätter oder Nadeln verliert; verliert er noch mehr, so ist er krank. Seit einigen Jahren versucht die Stadt, dem Sauren Regen mit Kalk-Granulat Herr zu werden.
Seit Montag blasen Mitarbeiter des Grünflächenamts am Hülser Berg und in Teilen des Hülser Bruchs mit einer Maschine den weißen Magnesiumkalk in den Wald. Der bindet die Säure, die wegen der industriellen Schadstoffe über den Regen gekommen ist, und gleicht den pH-Wert im Boden wieder aus. Etwa 26 000 Euro kostet dieser Einsatz auf der Fläche von rund 170 Hektar, wobei das Land 70 Prozent der Kosten übernimmt.
"Bei der Buche hat die Kalk-Kur sehr gut angeschlagen", sagt Arno Schönfeld-Simon. Allerdings schätzt der Oberförster, dass der Kampf gegen die Säure allein den Eichen nicht helfen wird. "Vermutlich liegt die hohe Zahl der kranken Eichen auch an dem gesunkenen Grundwasserspiegel", sagt Schönfeld-Simon. Genaueres sollen nun die Wissenschaftler herausfinden.
Insgesamt steht Krefeld, was die Baumgesundheit betrifft, relativ gut da. 36 Prozent der Bäume sind gesund, 55 Prozent kränkeln, nur neun Prozent sind krank. Landesweit ist jeder vierte Baum krank, 31 Prozent sind gesund, 44 Prozent kränkeln.
Der gute Wert ergibt sich Schönfeld-Simon zufolge schlicht aus der Geographie Krefelds. Hier gibt es kein Mittelgebirge, auf das der Saure Regen in großen Mengen niederschlägt. In den Mittelgebirgen ist vor allem der Fichtenbestand betroffen, dem der Borkenkäfer den Garaus macht. In Krefeld sorgt man sich viel mehr um die deutsche Eiche.
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