Krefeld: Amok-Droher unter Arrest
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 20.12.2006Krefeld (RPO). Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage kündigten Jugendliche eine Bluttat in einer Schule an. An einem Gymnasium wollten drei 17-Jährige Rache nehmen. Die Polizei schnappte die Trittbrettfahrer.
Bedrohlich klingen die Worte auf dem Anrufbeantworter: „Ihr werdet blutig enden.“ Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tagen hält ein angekündigter Amoklauf in einer Schule die Polizei in Atem. Am Montagabend meldete sich eine 41-jährige Mutter aufgeregt bei den Beamten. Beim Abhören des heimischen Anrufbeantworters stieß sie auf eine bedrohliche Nachricht, die für ihren 18-jährigen Sohn bestimmt war. „Drei Jugendliche kündigten darin ihre blutige Rache an, da sie wie Loser und kleine Spasties behandelt wurden. Der Amoklauf sollte gestern an einem Gymnasium stattfinden“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Lindner. Das schnelle Eingreifen der Beamten verhinderte jedoch die Bluttat.
Der Fall
Internetforum Ein Unbekannter hatte im Chat angekündigt, am Montag Lehrer und Schüler der Stephanus-Hauptschule zu töten.
Unterricht Unter Polizeischutz fand in den Klassenräumen der Unterricht statt. Der angekündigte Amoklauf blieb aus.
Strafe Trittbrettfahrer, die ein Verbrechen androhen machen sich strafbar. Jugendliche Täter müssen mit Jugendarrest rechnen.
Polizei sucht weiter
Der 18-jährige Schüler erkannte die Stimme eines Jugendlichen. Kurzerhand verhörten die Beamten den Verdächtigen. „Er konnte uns Hinweise auf die Urheber der Drohung geben, so dass sie noch in der Nacht festgenommen wurden“, so Lindner. Bei den Amok-Drohern handelt es sich um drei 17-Jährige. „Keiner von ihnen besucht das Gymnasium. Nur einer musste die Schule aufgrund schwacher Leistungen verlassen“, erläutert der Polizeisprecher. Auch die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht reagierten prompt. Die Jugendlichen verbringen nun drei Tage im Jugendarrest.
Die Spur eines Trittbrettfahrers verfolgen die Polizisten zudem im Fall der Stephanus-Hauptschule. „Die Suche nach dem Verfasser der Chatbotschaft geht weiter“, sagt Wolfgang Lindner. Gestern kontrollierten Beamte die Straßen rund um die Schule. „Ich will gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn der Schüler seine Drohung wahrgemacht hätte“, sagt Anna. Zusammen mit Freundin Anastasia verlässt die 17-Jährige gestern den Pausenhof an der Rote-Kreuz-Straße. Eine Lehrerin steht am Tor und schickt die Schüler auf den Heimweg. „Als ich von dem geplanten Amoklauf hörte, habe ich mir Sorgen gemacht“, erzählt Anna. „Jetzt glauben alle, dass sich jemand einen üblen Scherz erlaubt hat.“
Innerhalb von 24 Stunden ist wieder Ruhe in die Hauptschule eingekehrt: In manchen Klassen werden die letzten Arbeiten vor den Weihnachtsferien geschrieben. „Ich bin positiv überrascht, dass nur zwei Eltern angerufen haben, die ihre Kinder nicht zum Unterricht schicken wollten“, berichtet Schulleiter Uwe Engelbrecht.
Bedroht fühlt sich keiner der 452 Schüler und 35 Lehrer. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei klappt gut“, sagt der Rektor. Für viel Wirbel habe die Amoklauf-Drohung dagegen im Hintergrund gesorgt. Uwe Engelbrecht: „Ich hoffe, dass der Verfasser schnell gefunden wird. So ein vermeintlicher Streich sorgt nur für unnötigen Ärger.“
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