Krefeld: Atelierprogramm liegt auf Eis
VON IRMGARD BERNRIEDER - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009Krefeld (RPO). Seit 20 Jahren gibt es ein städtisches Förderprogramm für Künstler auf der Suche nach Arbeitsräumen.
Was ist daraus geworden? Es gibt keine Anfragen, keine freien Räume und nur einen Jahresetat von 1740 Euro.Das Programm
Bewerber Wer über das Förderprogramm ein Atelier vermittelt bekommen möchte, muss ein Kunststudium oder Ausstellungen nachweisen.
Anbieter Wer einen Raum hat, der sich als Atelier eignen würde, kann sich ebenfalls beim Kulturbüro melden.
Kontakt Kulturbüro der Stadt Krefeld, Friedrich-Ebertstraße 42.
Telefon 02151 58360,E-Mail kultur@krefeld.de.
Sicherlich gibt es in Krisenzeiten wie dieser vordergründig Wichtigeres in Gang zu halten als ein städtisches Atelierförderprogramm. Das zuständige Kulturbüro scheint aber angesichts mangelnder Möglichkeiten nicht erst kürzlich klein beigegeben zu haben. Vielmehr hat der schleichende Niedergang dieses einst aufgeweckten Krefelder Projekts schon lange vor der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise begonnen. "Es ist nicht tot", freut sich Hans-Peter Kreuzberg (CDU). Der Vorsitzende des Kulturausschusses unterstreicht, dass die Verwaltung den Status quo hält, und räumt ein, dass mehr wünschenswert wäre aber nicht zu realisieren ist.
Es herrschte einmal, in den 1990er Jahren, in dieser Stadt eine der Kunst zugewandte Aufbruchstimmung, die sogar Politiker mitriss. Sie gaben ihr Placet für ein "Atelierförderprogramm", statteten es mit 20 000 D-Mark jährlich aus, und im Kulturamt verwandte ein Kümmerer die Hälfte seiner Dienstzeit darauf, dieses Programm weiterzuentwickeln. Das Fluidum um die international erfolgreichen Krefelder Kunstmuseen sollte so in die Krefelder Bürgerschaft getragen werden. Man hoffte, Nachwuchskünstler an die Stadt zu binden und auswärtige Künstler anzulocken.
20 Jahre später – aus der Traum: Jürgen Eichendorf – im kleinen Kulturbüro-Team ohnehin stark belastet –– soll sich "nebenher" um jenes Förderprogramm kümmern, das sich im städtischen Haushalt unter "Zuschüsse an übrige Bereiche" verbirgt. 1740 Euro darf er jährlich ausgeben. Man muss kein Rechenkünstler sein, um zu erkennen, dass dieser Betrag zu viel zum Sterben und zu wenig zum Überleben des einstigen Förderprogramms ist. Nur wer eine Kunstakademie absolviert hat oder ein Studium in einer künstlerischen Fachrichtung kann sich im Kulturbüro um Atelierräume bewerben. Von Autodidakten verlangt man den Nachweis von Ausstellungen.
Derzeit sind alle Ateliers vermietet. So in der aufgelassenen Schule Marktstraße, wo drei Künstler in vier Klassenzimmern, zwischen 35 und 65 Quadratmeter groß, arbeiten. Drei Atelierhäuser an der Windmühlenstraße, das Olbrich-Haus (Hüttenallee) und das Uerdinger Nordwesttürmchen beherbergen Künstler. Der Mietpreis orientiert sich am städtischen Mietspiegel, die Mietverträge sind unbefristet, heißt es aus dem Liegenschaftsamt. In der Anfangszeit wurden die Fördergelder zur Sanierung von Atelierräumen verwendet.
Das Kulturbüro vermittelt Atelierangebote an Atelier suchende Künstler, hat aber weder Angebote, noch wird nach solchen gefragt. Was Wunder, der Stillstand hat sich herum gesprochen. Dabei scheint es doch auch angesichts der wachsenden Bedeutung der Kreativwirtschaft angesagt, etwa den Design-Absolventen der hiesigen Hochschule Anreize zu bieten, sich hier anzusiedeln.
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