Krefeld: Aus einem Holz geschnitzt
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010Krefeld (RPO). Als Paul Wallasch in eine kleinere Wohnung zog, hat er seine kunsthandwerklichen Arbeiten dem Museum Burg Linn vermacht. Aus Holz hat er dreidimensionale Bilder geschaffen. Vorbilder waren Arbeiten bekannter Maler.
Ausgestellt hat Paul Wallasch seine künstlerischen Arbeiten noch nie. Aber jetzt stehen sie im Museum in Linn, erst einmal im Magazin. Museums-Vize Christoph Dautermann holte sie bei Wallasch ab, als dieser hilfesuchend nach einem Platz für sein Lebenswerk anfragte.
"Du kannst ja malen", hatte der 1927 in Schlesien geborene Wallasch festgestellt, bei dem als siebtem Sohn einer Familie Reichspräsident Paul von Hindenburg Taufpate war.
Mit der Malerei fing Wallasch an, nachdem er sein in Wuppertal selber gebautes Haus bezogen hatte und nach Feierabendbeschäftigung suchte. Beim Malen blieb er aber nicht, er schuf plastische "Bilder" aus Holz. "Den dreidimensionalen Blick habe ich mir auf dem Bau erworben", sagt Wallasch.
Die Serie
Das Magazin des Museums Burg Linn ist eine Schatzgrube. Wir haben uns unterm Dach umgesehen, wo die Stücke lagern, die nicht ausgestellt werden. Wir stellen in dieser Serie ausgewählte Stücke und ihre Geschichte vor.
Seine berufliche Karriere ist umfangreich: Im Krieg machte er eine kaufmännische Lehre, wurde mit 17 Fähnrich und geriet später in Gefangenschaft: "Mit 19 war ich schon ein alter Mann." Er machte die Hauer-Prüfung im Bergbau, und als er später zu Fuß bis Wuppertal gelaufen war, arbeitete er im Tiefbau und in der Textilbranche. Bei dieser Vielseitigkeit war es dann fast selbstverständlich, dass Wallasch nach der Umschulung zum Maurer die Gesellenprüfung mit Auszeichnung bestand und zum Polier aufstieg.
Mit blutigen Händen
"Meine Freizeit habe ich dann im Keller verbracht", erinnert er sich. Weiches Linden- oder Pappelholz legte er in mehreren dünnen Lagen übereinander und schnitzte die Motive heraus. Diese reliefartigen Gebilde bestehen aus einem Stück. Manchmal rutschten Messer oder Beitel auch aus: "Oft kam ich wieder mit blutigen Händen nach oben in die Wohnung."
Vorlagen für seine Motive waren ihm Bilder von Künstlern, wie bei den Mohnblumen oder dem Bergsee mit dem Hirschen. Oder auch Fotos, nach denen er die Wuppertaler Schwebebahn nachbaute. Sie kommt auf den Betrachter zugefahren, und in der ganzen Darstellung der Schienenkonstruktion und der Wagen ist die Perspektive penibel getroffen.
Am Ende bekam jedes Werk auch die passenden Farben, so dass der naturalistische Eindruck herauskam. Für die Rahmen hat er sich eine Besonderheit ausgedacht. Sie sind aus aufgeklebten Schaschlikstäbchen gearbeitet. Ein Jahr hat Paul Wallasch für eine Arbeit gebraucht. Als seine Frau, die er, obwohl selber nach einem Schlaganfall behindert, pflegte, nach mehr als 50 Jahren Ehe starb, fand er später eine neue Lebensgefährtin mit gleichem Schicksal. Zuerst in einem Haus in Schiefbahn lebend, musste sich das Paar nach dem Umzug in eine kleinere Wohnung von vielen liebgewordenen Sachen trennen. So auch Paul Wallasch von seinen Relief-Bildern. Einige Kleinere hat er behalten, und auch die Tochter und die beiden erwachsenen Enkelkinder sind bedacht.
Aber für Wallasch ist es ein gutes Gefühl, die großen Bilder im Museum Burg Linn gut aufgehoben zu wissen.
Und vielleicht gibt es doch noch mal einen Anlass, diese Arbeiten auch auszustellen.
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