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Krefeld: Autohändler-Mord: Verhaftung in Palma

zuletzt aktualisiert: 09.07.2008 - 11:56

Der "Fahndungsdruck" habe letztlich zur Festnahme des 45-jährigen Deutschen in Spanien geführt, der vermutlich der Mörder des Krefelder Autohändlers Askin Uludag ist. Am Montag wurde er auf Mallorca verhaftet, in wenigen Wochen soll er ausgeliefert werden.

Dieses Bild einer Überwachungskamera wurde bei einem der Banküberfälle aufgenommen.  Foto: Polizei
Dieses Bild einer Überwachungskamera wurde bei einem der Banküberfälle aufgenommen. Foto: Polizei

"Letztlich brachten uns mehrere Fahndungsmaßnahmen auf die Spur des Täters", teilte Gerd Hoppmann, Leiter der Krefelder Mordkommission, am Mittwoch in einer Pressekonferenz mit. Der Tatverdächtige war im Fahndungsraster von festgestellten Personen, die im Jahre 1995 aus Schleswig-Holstein nach Wuppertal umgezogen waren.

Kriminalpolizeilich war der Mann bisher noch nicht auffällig geworden. "Da uns bekannt war, dass er 45 Jahre alt ist und 192 cm groß, gehörte er zu den nächsten Personen, die durch die DNA-Reihenuntersuchung überprüft werden sollten!" Dazu kam es nicht mehr. Letztlich führte der "Fahndungsdruck" durch die intensive Öffentlichkeitsfahndung zur Festnahme.

Am Sonntag, 6. Juli, ging zunächst ein anonymer Hinweis bei der Polizei in Antwerpen/Belgien auf den 45-jährigen Mann aus Deutschland ein. Ermittlungen und Vernehmungen der Antwerpener Mordkommission, die um Unterstützung gebeten wurde, führten zur Feststellung, dass der 45-Jährige mit einer Frau in Belgien verheiratet ist und mehrere gemeinsame Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren mit ihr hat.

Der Mann, der von seiner Frau getrennt zuletzt auf Mallorca lebte, hatte seine Kinder in Belgien besucht. Hier hatte er im Internet die Ermittlungen der Polizei und die Fahndung nach seiner Person gesehen. Schockiert stellte er fest, dass seine DNA festgestellt worden war und dass auch wegen der früheren Raubüberfälle nach ihm gefahndet wurde.

Er gab Angehörigen gegenüber zu, den "jungen türkischen Autohändler in Krefeld getötet" zu haben. Dort sei aber "kein Geld" gewesen. Der "Fahndungsdruck" machte den Mann regelrecht panisch (u.a. die Ankündigung der Sendung XY-ungelöst für den 09.07.08) und er flüchtete noch in der gleichen Nacht mit einem blauen Kleinlieferwagen mit spanischem Kennzeichen nach Deutschland und flog am Morgen des 5.7.2008 nach Mallorca. Der Lieferwagen wurde inzwischen am Flughafen Dortmund gefunden. Auf Mallorca, wo er auch mehrere Jahre mit seiner Frau gelebt hatte, hielt er sich zuletzt bei einer deutschen Freundin auf, die in der Nähe von Palma lebt.

Noch am Sonntagabend wurde durch Staatsanwältin Beate Doege ein Haftbefehl erwirkt, der sofort durch den Bereitschaftsrichter des Krefelder Amtsgerichtes erlassen wurde. Über Nacht wurde die internationale Fahndung eingeleitet und über das BKA Kontakt mit den spanischen Behörden aufgenommen. Am Montagmittag erfolgte die Festnahme des Tatverdächtigen durch die spanische Nationalpolizei, als er das Haus seiner Freundin verlassen wollte.

Der völlig überraschte Mann leistete keinen Widerstand. Der Tatverdächtige wird am 09.07.08 in Madrid einem Haftrichter vorgeführt und in Auslieferungshaft genommen. Da er mit einer Auslieferung einverstanden ist, wird diese bereits in wenigen Wochen erfolgen. Eine DNA-Untersuchung bestätigte inzwischen, dass es sich mit absoluter Sicherheit um den gesuchten Täter handelt. "Zu dem 45-Jährigen können wir noch nicht sehr viel sagen, die Ermittlungen zu seiner Person haben gerade erst begonnen", teilte Gerd Hoppmann mit.

Bekannt ist, dass der Mann in Kiel aufgewachsen ist und dort eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmeister machte. Es wurde auch bestätigt, dass er ein geübter Motorradfahrer war. Er unterhielt kaum Kontakte zu seiner Familie. Das Rätselraten, warum der Mann über 13 Jahre in Deutschland nicht in Erscheinung trat, löste sich wie schon vermutet. Er wohnte viele Jahre im Ausland. Bekannt ist, dass er sich lange Zeit in der Türkei, in Belgien und zuletzt mehrere Jahre auf Mallorca aufhielt. Hier war er im Bootsbereich als selbständiger Unternehmer tätig, bevor er im vergangenen Jahr das Geschäft auflöste.

Geldmangel dürfte der Grund für die Tat in Krefeld gewesen sein. Gerd Hoppmann: "Wir gehen davon aus, dass ernsthaft mit weiteren Überfällen des Täters zu rechnen war!" Warum sich der Tatverdächtige Askin Uludag in Krefeld als Opfer aussuchte, ist zurzeit noch unklar. Die Mordkommission verfolgt aber Ermittlungsansätze, die darüber möglicherweise Aufschluss geben könnten. Auch dazu, ob der Tatverdächtige im In- oder Ausland weitere Straftaten begangen haben könnte, dauern die Ermittlungen noch an.

"Auf diesem Wege möchten wir uns auch für tatkräftige Fahndungsunterstützung bei hunderten von Optikern in NRW und Schleswig-Holstein bedanken. Mit diesem kriminalistische Kabinettstückchen hätten wir den Täter wohl auch ermitteln können.", so Gerd Hoppmann. 1995 hatte der Täter nach einem Raubüberfall in Wuppertal eine Jacke, eine Perücke und eine Sonnenbrille an der Autobahn bei Ratingen weggeworfen.

Als die vermeintliche Sonnenbrille jetzt erneut untersucht wurde, stellte sich heraus, dass es sich um eine Brille mit selbsttönenden geschliffenen Gläsern handelte. In einem Brillenbügel wurde ein Millimeter großes so genanntes "Punzzeichen" (Stanzmarkierung mit den Buchstaben B und L) gefunden, ein individuelles Zeichen, mit dem viele Optiker vor dem Verkauf Brillen markieren. Die Ermittler suchten hunderte von Optikern auf, wurden durch die zuständigen Innungen unterstützt und veröffentlichten das Zeichen in Fachzeitschriften. Der Inhaber des Punzzeichens wurde in Kiel gefunden. Es handelt sich um einen Optiker, der bereits vor 12 Jahren das Geschäft aufgegeben hat.

Die Mordkommission hatte bereits begonnen, die 2600 ehemaligen Kunden des Optikers zu überprüfen, um den Käufer der Brille festzustellen. Für große Erleichterung sorgte die Nachricht von der Festnahme auch bei den Angehörigen des Opfers, die als erste von den Ermittlern benachrichtigt wurden.

Quelle: rpo

 
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