Krefeld: B 9 könnte längst Lkw-frei sein
zuletzt aktualisiert: 28.06.2010 - 11:42Krefeld (RPO). NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper hat Oberbürgermeister Kathstede einen Brief geschrieben. Aus dem geht hervor, dass die Stadt als verantwortliche Straßenverkehrsbehörde die Kölner Straße längst für LKW hätte sperren können. Der Minister-Vorschlag: probeweise sperren.
Auf Anfrage von Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen zur Sperrung der B 9 in Krefeld-Fischeln für den Lkw-Durchgangsverkehr jetzt Stellung genommen. In seiner Antwort verweist Lutz Lienenkämper auf die Zuständigkeit der Stadt Krefeld als verantwortliche Straßenverkehrsbehörde. Somit solle auch die Stadt Krefeld die Entscheidung über den Ausschluss des Lkw-Durchgangsverkehrs treffen – und nicht das Land.
In seinem Antwortschreiben regt Minister Linienkämper an, die Sperrung der B 9 in Fischeln für den LKw-Durchgangsverkehr zunächst versuchsweise für ein Jahr anzuordnen. Diese Probephase solle durch eine Vorher-/Nachher-Verkehrsuntersuchung begleitet werden. Die Erlaubnis für eine wegweisende Beschilderung an der Autobahn müsse beim Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung eingeholt werden.
Stadtteil im Süden
Fischeln ist der südlichste und größte Stadtbezirk Krefelds. Es erstreckt sich auf knapp 19 km² und ist mit 26.653 Einwohnern hinter der Stadtmitte der einwohnerstärkste Stadtbezirk. Das Einkaufszentrum mit Geschäften und Restaurants verläuft links und rechts der Kölner Straße. Autos, Straßenbahn und Schwertransporte fahren über die Bundesstraße 9, die Kölner Straße. Fußgänger müssen immer wiede die Seite wechseln, um Apotheken oder Supermärkte zu erreichen. Für Fahrradfahrer und Kinder ist die Straße trotz Tempo 30 eine Gefahr.
Entlastung für den Ortskern
Der Minister stellt außerdem in Frage, ob durch die Sperrung eine Entlastung des Ortskerns stattfinden wird. Seiner Meinung nach belieferten die Lastwagen die ansässigen Geschäfte. Er glaubt an einen Zielverkehr und nicht an einen Lkw-Durchgangsverkehr. Jetzt ist es an der Stadt, die Sperrung anzuordnen. Was in der Antwort so kurz und knapp aus Düsseldorf an den Oberbürgermeister geschickt wurde, hat eine lange Vorgeschichte. Denn gerade die Fischelner Bürger hatte sich immer wieder über die unzumutbaren Zustände im Ortskern beklagt. So forderten sie noch im Januar, die Kölner Straße solle für den Schwerlastverkehr gesperrt werden.
Während der Sitzung der Bezirksvertretung Fischeln im Januar schilderte Matthias Schütze vom Bürgerservice den damals aktuellen Stand. Demnach sei "der Antrag der Stadt Krefeld mit positiver Stellungnahme der Bezirksregierung im Landes Bau- und Verkehrsministerium eingegangen." Das sei die gute Nachricht, so Schütze. Die schlechte Nachricht, im Landesministerium dauere es, bis eine Entscheidung falle. "Das kann bis Ende des Jahres sein", so Schütze. Doch es ging jetzt sehr viel schneller. Anfang des Jahres hieß es, das Ministerium berufe sich auf eine Jahresfrist, Entscheidungen zu fällen, dies sehe die Krefelder Verwaltung etwas anders.
Die Verwaltung habe die Information, dass statt der Jahresfrist nun eine Dreimonatsfrist gelte. Der Bürgerschützenverein, der Werbering Fischeln und auch die örtlichen Politiker wollten Druck ausüben.
Alle Fischelner Parteien sollten mit den Landtagsabgeordneten über die Brisanz des Projektes reden. Und auch die örtliche CDU wollte, so Benedikt Lichtenberg und Klaus Lindner, ein Wort mit dem Verkehrsminister reden. "Denn der kommt aus dem benachbarten Meerbusch", so Lichtenberg Anfang 2010. Man gehe davon aus, dass die schmale Straße ohne Lkw ruhiger, als Einkaufsstraße attraktiver und auch sicherer werde.
Einfallstor aus Richtung Süden
Hintergrund: Die B 9 ist seit Jahrzehnten das Einfallstor aus Richtung Süden. Alles quält sich über die sanierungsbedürftige Kölner Straße, auf der auch die Straßenbahn fährt. Mit einer täglichen Belastung von über 12 000 Kraftfahrzeugen hat die Kölner Straße ihre Leistungsfähigkeit erreicht. Dabei werde sie in hohem Maß durch ortsfremden Durchgangsverkehr (etwa 30 Prozent) belastet.
Vor allem Schwerlasttransporter nutzen den Weg durch Fischelns Einkaufsmeile. Seit über 30 Jahren gibt es Überlegungen, eine Umgehungsstraße zu bauen, doch die Fischelner Parteien konnten sich nie über die Trassenführung einigen. Die Kölner Straße ist mittlerweile in einem maroden Zustand, sie müsste dringend restauriert werden. Doch die Zuständigkeiten waren lange offen. Mit dem Brief aus Düsseldorf hat sich alles geklärt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



