Krefeld: Bachoratorium ohne Bombast
VON MOJO MENDIOLA - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Krefeld (RPO). Chor Cantate begeisterte das Publikum mit einem gefühlvollen Weihnachtsoratorium.
Oft aufgeführt und häufig überladen, war das Bachsche Weihnachtsoratorium I – III in Krefeld zuletzt 2007 in einer erfreulich schlanken Interpretation des Schönhausenchors zu erleben. Nun kam es zum Auftakt des einjährigen Projekts "Bach 2010" am Sonntag in der Oppumer Schutzengelkirche mit dem Chor Cantate zu Gehör. Und wieder ohne verzichtbare Schnörkel.
Das trotz Sponsoring knappe Budget stellte sicher, dass man sich auch diesmal nicht in fragwürdigem Bombast ergehen würde. Um so mehr Liebe hatte man in das Werk investiert. Schon der Einstieg mit dem "Jauchzet" kam so schwungvoll und dynamisch, dass man dem Chor die vorweihnachtliche Freunde auch wirklich abnahm. Einigen Mitwirkenden fuhren Rhythmus und Bewegung durch den ganzen Körper – beinah wie in einem guten Gospel-Chor.
Makelloser Alt, natürlicher Tenor
Der Gesamteindruck litt ein wenig unter dem Umstand, dass das Cölner Barockorchester, obwohl mit guten Musikern besetzt, eine ganze Weile brauchte, bis es die wünschenswerte Präzision und Klangreinheit erreicht hatte. Christoph Scholz, der sonst sehr feinsinnig dirigiert, verlieh seiner Führung sichtbar mehr Nachdruck – auf Dauer mit Erfolg. Auch entwickelten Cecilia Mutsaerts (Sopran) und Gregor Finke, der als Bariton die Bass-Partie sang, nicht den Glanz, den die anderen beiden Solisten zeigten.
Dafür erfreute die aus vielen Kirchenkonzerten in der Seidenstadt bekannte Angela Froemer mit ihrem makellosen Alt und ihrer wunderschönen Phrasierung um so mehr. Ihr glaubte man jede einzelne Zeile ihres Textes persönlich. Auch der junge Tenor Markus Mogl verstand es, mit der Natürlichkeit seines Vortrags und seiner stets wohldosierten Stimmführung zu begeistern.
Zu den Höhepunkten des Oratoriums zählte seine Arie "Frohe Hirten, eilt, ach eilet", für die er in dem Querflötisten Armin Köbler einen ausgezeichneten Duettpartner fand. Lob verdienten sich außerdem die Cellistin Evelyn Buyken und Sven Rössel am Kontrabass. Und für Froemers Arie "Schlafe, mein Liebster" hätte das Publikum am liebsten einen Sonderapplaus spendiert, nicht minder für "Schließe, mein Herze, dies selige Wunder" und das Rezitativ "Ja, ja, mein Herz soll es bewahren".
Hingerissene Zuhörer
In den Chorälen begeisterten die Akteure von Cantate nicht nur mit Fülle, Ausgewogenheit und Transparenz, sondern vor allem mit Ausstrahlung, Enthusiasmus und Emotionalität. Für Christoph Scholz ein gelungener Auftakt für die große Reihe mit Bach-Kantaten im neuen Kirchenjahr. Die Zuhörer jedenfalls waren hingerissen und verließen die Kirche erst nach einer Zugabe.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



