Krefeld: Bahn ohne Plan
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.06.2007Krefeld (RPO). Den Servicepoint im Hauptbahnhof gibt es nicht mehr. Gepackbänder rollen nicht, Anzeigetafeln bleiben leer. Am Montag fielen Züge aus, gestern warteten Kunden 40 Minuten am DB-Reisecenter. Fahrgäste sind verärgert.
Das Chaos war am Montagabend, 19.30 Uhr, auf Gleis 5 des Krefelder Hauptbahnhofs perfekt: Wegen eines Blitzeinschlags auf der Strecke von Krefeld nach Neuss fiel der Zug RE 29738 aus. Alternative Zugverbindungen wurden nicht angeboten. Die Fahrgäste liefen hektisch umher. Am Gleis informierte ein selbstloser Passagier, der offenbar mit viel Zeit gesegnet war, alle die Treppe hochsteigenden Bahnkunden über den Ausfall der Linie.
Der Service der Bahn an diesem Chaos-Abend: Mangelware! Auf den Anzeigetafeln am Gleis 5 war nichts zu lesen – sie sind schon lange defekt. Der Servicepoint konnte auch nicht helfen – er wurde gerade wegrationalisiert. Und die Stimme aus dem Lautsprecher, die die Verspätungen mitteilte, wurde übertönt von einem lauten DB-Zug in Richtung Kleve, der auf Gleis 4 abfahrbereit stand. Der aber half jenen Fahrgästen, die nach Köln oder Münster fahren wollten, herzlich wenig.
Streichungen
Pro-Bahn-Sprecher Joachim Meyer befürchtet, dass bei einer weiteren Ausdünnung des Fahrplans Teile der Linie RB 33 von Wesel über Krefeld nach Gladbach wegfallen. „Falls die Bahn an Verbindungen sparen will, wird man hier als erstes außerhalb des Berufsverkehrs Streichungen vornehmen. Dies könnte man gerade noch vertreten. Alle anderen Kürzungen wären eine Katastrophe.“
Gipfel des Serviceverfalls
17000 Reisende nutzen den Bahnhof in Krefeld täglich. Die Zahl der Bahnkritiker steigt dieser Tage beständig. Die Schließung des Servicepoints ist für viele Fahrgäste nur der Gipfel. Joachim Meyer, Sprecher von Pro-Bahn in Krefeld, registriert seit Jahren eine Minimierung der Qualität. „Es gibt eine Reihe von Punkten, die wir von Pro-Bahn bemängeln: Drei von fünf Anzeigetafeln im Bahnhof funktionieren seit Jahren nicht mehr, eine zentrale große Anzeigetafel im Eingangsbereich fehlt, das Lautsprechersystem der Bahn ist miserabel, Durchsagen versteht man kaum.“ Und Aufzüge? Fehlanzeige! Wegen dieser Mängel hat auch Krefeld OB Gregor Kathstede bereits Bahnchef Mehdorn angeschrieben. „Krefeld wird einfach nicht in die Bahnpolitik involviert“, klagt Stadtpressesprecher Timo Bauermeister.
Den Wegfall des Servicepoints hatte Joachim Meyer befürchtet: „Wer die Politik der Bahn verfolgt, musste damit rechnen. Die Deutsche Bahn hat eine interne Klassifizierung der Bahnhöfe vorgenommen. Krefeld steht dort auf dem Abstellgleis, in der letzten Kategorie. Sind die Krefelder Fahrgäste der Deutschen Bahn weniger wert? Für Joachim Meyer ist dies eine Tatsache: „In den Neunzigern hat man den Bahnhof renoviert. Danach ist hier doch nichts mehr passiert.“ Bereits im Januar hatte die Bahn angekündigt, bis zum Frühjahr die Anzeigetafeln repariert zu haben.
Gestern sagte Gerd Felser, Pressesprecher der Bahn, dass bis Ende Juli die Anzeigetafeln repariert werden sollen. Er versucht den Vorwurf, der Krefelder Bahnhof sei eine Servicewüste, zu entkräften: „Den Wegfall des Servicepoints versuchen wir durch mobile Mitarbeiter an den Gleisen zu ersetzen.“
Ihre Meinung zum Bahnhof? Heißer Draht auf www.rp-online.de/krefeld.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.



