Krefeld: Bauern streiten über Streik
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 05.06.2008Krefeld (RPO). Protest oder Profit? Die acht verbliebenen Krefelder Milchvieh-Bauern zoffen sich derzeit über den Milchstreik. Vier Landwirte kippen die Milch weg. Andere liefern weiter an Molkereien und werden jetzt scharf kritisiert.
Landwirt Christoph Maaßen (33) aus Hüls streikt. Seit einer Woche schüttet er die Milch seiner 70 Kühe in den Abfluss und ins Futter, anstatt sie an eine Molkerei zu verkaufen. 31 Cent pro Liter Milch erhält er noch von der Molkerei. „Zu wenig“, findet Maaßen. Die Bauern fordern 43 Cent pro Liter. „Milch ist ein ordentliches Produkt. Das muss sich im Preis auszahlen“, sagt der Landwirt. So wie er denken viele deutsche Bauern– sie kämpfen derzeit gegen die Konditionen der Discounter. Gestern streikten sie in Mülheim vor der Aldi-Zentrale, am Montag in Moers vor Dr. Oetker. Doch nicht alle Krefelder Landwirte beteiligen sich am Protest, manche verkaufen ihre Milch weiterhin. Maaßen sagt: „Das finde ich nicht in Ordnung. Besonders der Ortslandwirt sollte Vorreiter sein.“
„Preise sind unverschämt“
Dieser Ortslandwirt heißt Reiner Geurden (51) und kommt aus Hüls. Er hat Verständnis für den Protest, will aber selbst nicht streiken. Vielmehr denkt er an die Molkereien: „Die fürchten ihrerseits ja, dass der Handel ihre Milch nicht mehr abnimmt.“ Deshalb liefert er. Auch Landwirt Norbert Schmitter (61) aus Orbroich streikt nicht: „Wir sind ein kleiner Betrieb mit 28 Kühen. Ich finde die Preise unverschämt, aber gestreikt wird noch nicht.“
An der Moerser Kundgebung nahmen auch Krefelder Landwirte teil. Zum Beispiel Karl-Heinz Schulte-Bockholt. 2000 Liter liefern seine 90 Kühe jeden Tag. Vieles wird an Jungtiere verfüttert, den Rest kippt er weg: „So etwas habe ich in all den Jahren als Landwirt nicht erlebt. Der Streik schmerzt mich sehr. Ich gehe morgens widerwillig in den Melkstall. Aber die Kühe müssen ja gemolken werden.“ Dass einige Kollegen sich des Protests enthalten, findet er „unkollegial“.
Vor Jahren hatte Krefeld selbst eine Molkerei. Die Landwirte lieferten an den Milchhof. Der fusionierte mit Mr. Softy, das schließlich von Campina in Köln gekauft wurde. Ein Teil der Krefelder Landwirte liefert jetzt nach Köln, ein Teil ins 97 Kilometer entfernte belgische Walhorn, wieder andere ins 163 Kilometer entfernte Pronsfeld in der Hocheifel. Dort bekommen Landwirte 32 Cent pro Liter. Hiesige Molkereien zahlen ein bis zwei Cent weniger, manche sogar nur 27 Cent. „Das kann sich nicht lohnen“, sagt auch Reiner Geurden. Seit gestern zeigen die Proteste offenbar Wirkung, der erste Discounter erhöht den Preis wieder.
Auch Geurden ist vor Probleme gestellt. Die Molkerei, zu der er liefert, wurde von Landwirten der Eifel blockiert. Die Milchtankwagen können nicht mehr auf den Hof fahren. Also können sie die Milch auch in Krefeld nicht mehr abholen. In den Regalen der Geschäfte dünnt sich das Milchangebot langsam aus. Noch immer ist es aber sehr günstig. Der billigste Liter Milch kostet im Edeka des Kaufhofs Ostwall derzeit 54 Cent.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







