Krefeld: Beckenbauer zu teuer für Krefeld
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 24.09.2009Krefeld (RPO). In wenigen Wochen wird die Stadt Krefeld die Auszeichnung Krawattenmann des Jahres vergeben. Den Lieblingskandidaten kann sich die Seidenstadt nicht leisten: Franz Beckenbauer verlangt Honorar.
Fußballkaiser Franz Beckenbauer, bekennender Krawattenträger, ist der Seidenstadt ziemlich auf den Schlips getreten. Krefeld wollte den 64-Jährigen zum Krawattenmann küren. Beckenbauer knüpfte aber eine Bedingung an die Ehre: Seinen Auftritt bei der Preisverleihung wollte sich der Hans Dampf in allen Werbegassen nach Informationen unserer Zeitung versilbern lassen – für die halbstündige Veranstaltung verlangte er dem Vernehmen nach einen Betrag zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Daraufhin zog die Stadt ihr Angebot zurück.
In den kommenden Tagen wird entschieden, wer Krawattenmann des Jahres 2009 wird. Im Gespräch: Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg. In einigen Wochen soll die Preisverleihung stattfinden, mit der die Krawattenhauptstadt Deutschlands Werbung für das männliche Bekleidungsstück macht. Es ist eine der Veranstaltungen, die Krefeld bundesweit in die Nachrichten bringt.
Krawattenmänner
2008: Henry Maske
2007: Roger Cicero
2006: Christian Wulff
2005: Ulrich Wickert
2004: Götz Alsmann
2003: Borussia Mönchengladbach
2002: Johannes B. Kerner
2001: Guido Westerwelle
1991: Günther Jauch
1981: Hans Rosenthal
1967: Willy Brandt
1965: Hans-Joachim Kulenkampff
Schwierige Situation
Doch für die Verantwortlichen ist es immer schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden. Als echter Fehlgriff erwies sich vor zwei Jahren der Sänger Roger Cicero. Der Mann, der im Finale des Eurovision Song Contests eine chamoisfarbene Krawatte trug, war nach der Preisverleihung in Krefeld bei öffentlichen Auftritten im Fernsehen stets nur noch ohne Krawatte zu sehen. Ein Botschafter für den Binder agiert anders.
Vergangenes Jahr drang schlechte Kunde aus den USA in die Seidenstadt: Sechs Jahrzehnte nach seiner Gründung löste sich in New York in aller Stille der amerikanische Krawattenverband "Men's Dress Furnishing Association" selbst auf. Verbandsmitglied, Marty Staff, Chef der Herrenmodefirma JA Apparel, begründete im Wall Street Journal die Auflösung so: "Früher war es so, dass der Kerl in marineblauem Anzug, weißem Hemd und Burgunder-Krawatte der Chef war. Heute ist es der Buchhalter."
Krefelds Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) denkt mit Wehmut an Preisträger wie Götz Alsmann oder Ulrich Wickert zurück. "Ihnen hat man angemerkt, dass der Preis eine Ehre für sie war. Das haben sie im Fernsehen auch immer wieder erzählt." Die Zeiten ändern sich: ARD-Starmoderator Frank Plasberg trug nicht mal beim Kanzlerduell Krawatte.