Krefeld: Besucher-Rekord bei Rockoper
VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 14:54Krefeld (RPO). Das Theater legt die Zuschauerzahlen der vergangenen Spielzeit vor. "Jesus Christ Superstar" ist Spitzenreiter mit 8000 Besuchern. Die Auslastung der Häuser ist stabil – trotz der Ausweichspielstätte im Krefelder "Theater auf Zeit" (TaZ).
Wenn die Theater im Lande in diesen Wochen ihre Besucherzahlen offenlegen, dann kann mancher Intendant neidvoll auf das Gemeinschaftstheater schielen. Denn in Krefeld und Mönchengladbach ist die Auslastung überdurchschnittlich gut – und seit Jahren konstant: Bei 87 Prozent lag sie in der vergangenen Spielzeit in der Seidenstadt. 105 460 Besucher kamen zu 339 Vorstellungen. "Das ist erstaunlich, denn wir hatten eine Spielzeit an einer Ausweichspielstätte", erklärt Generalintendant Jens Pesel.
Es gab mehr Vorstellungen, weil die beiden Theatersäle mit 560 und 280 Plätzen deutlich kleiner waren als das Stammhaus mit fast 800. Im Schauspiel wurden nur knapp 1000 Besucher weniger gezählt als in der vorherigen Spielzeit. "Das zeigt vielleicht, dass eine kleinere Spielstätte für das Schauspiel besser funktioniert", meint Pesel.
Programm per E-Mail
Um die anfallenden Portokosten zu senken, gibt es für Theaterbesucher den Service, sich das Monatsprogramm regelmäßig als pdf-Datei per E-Mail zuschicken zu lassen. Wer sich in den "Leporello"-Verteiler aufnehmen lassen möchte, muss lediglich eine E-Mail mit entsprechendem Betreff an folgende Adresse senden: info@theater-kr-mg.de Dieser Service ist kostenlos.
In Mönchengladbach wurde der Besucherrekord mit 130 035 geknackt. Das Verblüffende: "Wegen der Baustelle vor dem Haus in Odenkirchen war der Auftakt denkbar schlecht", sagt der Intendant. Die ersten Besucherzahlen nannte er "grottenschlecht". Deshalb grenze der Rekord an ein Wunder. "Er zeigt aber auch, dass es zählt wo, wie und unter welchen Umständen Theater gemacht wird."
Ausgebuchter Vetter
Im Sommer übergibt Pesel die Aufgaben an den künftigen Intendanten Michael Grosse. "Er wird eine andere Rechtsform des Theaters haben und wieder einen Werbeetat. Da sollte es ihm gelingen die beruhigend kontinuierlichen Besucherzahlen noch zu steigern", erklärte Pesel.
Der Renner in Krefeld war die Rockoper "Jesus Christ Superstar": knapp 8000 Besucher kamen zu 16 immer ausverkauften Vorstellungen (Platzauslastung: 98 Prozent). Fast ebenso viele sahen die Operette "Vetter aus Dingsda". Doch die Statistik widerlegt auch eine tradierte Meinung: "Es stimmt nicht, dass man nur nur mit Operette Geld verdienen kann und modernes Musiktheater nicht angenommen wird", sagt Pesel. Denn die schwerer zugängliche Strawinsky-Oper "Karriere des Wüstlings" hatte knapp 3000 Besucher in neun Aufführungen – nur 500 weniger als Donizettis populärer "Liebestrank".
Im Schauspiel waren die Publikumsfavoriten "Swinging St. Pauli" (besetzte Plätze 98 Prozent), "Johnny Cash" und "Avanti Dilettanti" (jeweils 97 Prozent) sowie "Shockheaded Peter" (95). Und fast immer ausverkauftes Haus gab es bei den Märchenstücken. Die Kinderoper "Aschenputtel" lockte in Gladbach 18 192 Menschen ab fünf Jahre ins Theater. "Der große Erfolg zeichnet sich auch für Krefeld ab", meint der Intendant.
Denn bis Weihnachten sind allein 12 000 Karten nur für Gruppen reserviert. 16 386 Krefelder sahen die Bühnenversion von Cornelia Funkes Kinderbuch "Hinter verzauberten Fenstern". Dafür mussten im Kleinen TaZ-Saal die Schauspieler 61 Vorstellungen geben. In Gladbach waren nur 24 notwendig. "Ein Kraftakt, den wir nur bewältigen konnten, weil das Stück komplett mit Gästen besetzt war", sagt der Intendant. Auch die Kinderkonzerte waren im TaZ eine Herausforderung: Um knapp 5000 junge Musikfreunde zu erreichen, mussten sie jeweils zwei Mal gespielt werden.
Die sieben Sinfoniekonzert haben in Krefeld 10 258 Musikliebhaber gehört, in Gladbach 3000 weniger. Die Auslastung von 72 Prozent zeigt, dass eine weitere weitverbreitete Meinung nicht mehr gilt: Dass es für die Konzerte weder Abos noch Einzelkarten gibt.
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