Krefeld: Bischof ordnet Mega-Fusion an
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 14.07.2009Krefeld (RPO). Alle katholischen Gemeinden in Uerdingen, Gartenstadt, Linn und Gellep-Stratum müssen zu einer Pfarrei fusionieren. Das hat Bischof Mussinghoff jetzt gefordert. Der Regionaldekan nennt den Plan "eine Katastrophe".
Krefeld wird bald eine neue Pfarrgemeinde bekommen – sie soll sämtliche katholische Kirchen in Uerdingen, Gartenstadt, Linn und Gellep-Stratum umfassen. Das hat Bischof Heinrich Mussinghoff jetzt den Priestern per Brief mitgeteilt. Der Plan des Bischofs muss noch vom Priesterrat abgesegnet werden. Der tagt am 27. August.
In Krefeld ist das Entsetzen groß. "Ich bin sehr bestürzt", erklärte Regionaldekan Johannes Sczyrba auf RP-Anfrage. "Der Plan demoralisiert die Leute in den Pfarreien. Das ist eine Katastrophe." Gerade erst hätten sich die Pfarreien in Uerdingen zur Fusion durchgerungen. Und erst im März hatte Bischof Mussinghoff noch eine kleinere Lösung angeordnet. Die sah vor, dass aus den Pfarren St. Peter, St. Paul, St. Matthias und St. Heinrich (alle Uerdingen) und St. Pius X (Gartenstadt) bis 1. Januar eine neue Pfarrei gegründet werden sollte – mit der Pfarrkirche St. Peter. Sczyrba: "Dass jetzt der ganze Osten zu einer einzigen Pfarrei fusionieren soll, das ist gar nicht mehr zu vermitteln."
Drei Priester
Die Fusion Bis 1. Januar sollen die katholischen Pfarreien in Krefelds Osten zu einer einzigen Pfarrei fusionieren.
Die Optionen Die Gemeinden können wählen, ob sie sich einer der bereits bestehenden Pfarreien anschließen oder ob eine neue Pfarrgemeinde gegründet wird,
Die Geistlichen Die neue Pfarrei wird drei neue Priester bekommen. Neben den Neubesetzungen für die Uerdinger Pfarreien kommt auch ein Nachfolger für Linn.
Betroffen sind 16 300 Katholiken
16 300 Gläubige sind von dem Plan des Bischofs betroffen. Franz Kretschmann, Sprecher des Generalvikariats, erklärte gestern: "Kirchenrechtlich hatte der Bischof gar keine andere Möglichkeit, als die Groß-Fusion vorzuschlagen." Denn das Kirchenrecht sieht vor, dass die Alternative – eine Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) – nur dann vom Bischof angeordnet werden kann, wenn sich mindestens 50 Prozent der betroffenen Katholiken dafür aussprechen. "Diese Marge ist aber nicht erreicht worden", erklärte Kretschmann. Grund: Die mitgliederstarken Uerdinger Pfarreien haben sich gegen eine GdG ausgesprochen. Am 1. Januar 2010 soll bereits die Fusion abgeschlossen sein und Krefelds neue Mega-Pfarrei stehen. Noch ist unklar, wo sie ihre Haupt-Pfarrkirche haben wird. Die betroffenen Pfarreien wurden vom Bischof um Vorschläge gebeten – auch, was den Namen anbelangt.
Stefan Kaiser, Pfarrer an St. Peter, sagte gestern: "Ich will das nicht weiter kommentieren. Wir müssen jetzt erstmal die Gremien verständigen."
Elmar Jakubowski, Bezirksvorsteher in Uerdingen, ist über die Entscheidung des Bischofs entsetzt. "Das kann einfach nicht gut gehen. Hier gibt es keine Langzeitperspektive." Viele der betroffenen Pfarreien verfügten über ein ausgeprägtes Gemeindeleben. Das Gebiet sei für eine einzige Pfarrgemeinde viel zu groß. Jakubowksi: "Wo bleibt letztlich das Gemeindemitglied? Welche Dinge haben beim Bischof Priorität? Nicht die Seelsorge. Nicht die Gemeinde." Er sei mittlerweile resigniert. "Ich habe dem Bischof einen Brief geschrieben, nachdem er die Versetzung der beiden Uerdinger Priester angeordnet hat. Eine Antwort habe ich nicht von ihm erhalten."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







