Krefeld: Brandschutz: Aus für BZB-Festakt
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012Krefeld (RP). Die Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) teilen das Problem vieler Vereine und Veranstalter: Brandschutzbestimmungen sind zu teuer. Die BZB hat nun einen Empfang mit mehr als 500 geladenen Gästen abgesagt.
Die Einladungskarten waren verschickt, die Liste der Redner illuster: Die in Krefeld am Bökendonk ansässigen "Bildungszentren des Baugewerbes" (BZB) wollten am 30. März den Wechsel in der Geschäftsführung mit einem Empfang begehen und hatten dazu mehr als 500 Gäste geladen. Nun zog der Vorstand des BZB die Notbremse: Die Kosten zur Erfüllung der Brandschutzauflagen wären aus dem Ruder gelaufen. Die BZB sagte den Empfang ab. Hintergrund sind verschärfte Sicherheitsbestimmungen im Nachgang zur Love-Parade-Katastrophe.
"Leider sind wir gezwungen, die Veranstaltung aus sicherheitstechnischen und organisatorischen Gründen abzusagen", heißt es dazu in einem BZB-Schreiben des Vorstandvorsitzenden Herbert Schäfer, "die Auflagen zur ordnungsgemäßen Durchführung der Veranstaltung rechtfertigen bei Weitem nicht den finanziellen Aufwand, der damit verbunden ist".
Brandschutz-Probleme
Die Liste der Institutionen, die mit Brandschutzbestimmungen zu kämpfen hat, wird länger – Beispiele aus Krefeld:
Haus der Seidenkultur Schließung bis zur Sanierung für mehr als 300 000 Euro
Seidenweberhaus 1,145 Millionen Euro für Brandschutz
"Jazz an einem Sommerabend" Wurde aus dem Innenhof der Linner Burg in die Vorburg verlegt.
Jahresausklang im Fischelner Rathaus Der Empfang im Sitzungssaal mit etwa 100 Personen musste abgesagt werden; der Saal sei im Brandfall nur mit 40 Personen schnell genug zu räumen.
Hintergrund: Die Landesbauverordnung verlangt für solche Veranstaltungen eine brandschutztechnische Stellungnahme eines Gutachterbüros. Zudem müsse man auch für eine eintägige Veranstaltung bei der Stadt eine (kostenpflichtige) Nutzungsänderung beantragen, erklärte der neue BZB-Geschäftsführer Thomas Murauer gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Die Kosten für Gutachten und Antrag müsse der Veranstalter zahlen. Allein bei dem Brandschutzgutachten seien ganz schnell ein paar tausend Euro fällig.
Murauer, der seit dem 1. Januar im Amt ist, macht der Stadt keine Vorwürfe; sie setze nur um, was die Landesbauverordnung verlange: "Die Stadt hat sich völlig korrekt verhalten. Und natürlich sind nach der Love-Parade-Katastrophe alle sehr sensibel, wenn es darum geht, eine größere Veranstaltung zu genehmigen." Murauer betont auch die Verantwortung des Veranstalters für die Sicherheit: "Wenn wirklich etwas passiert, würde es doch zuerst heißen: Da hat der Veranstalter wohl nicht aufgepasst."
Die BZB hatten geplant, im Foyer ihres Zentren-Gebäudes einen Sektempfang zu geben; die Ansprachen sollten in der Betonbauerhalle stattfinden. Die neun Redner umfassende Liste der Grußworte liest sich wie ein "Who ist who" aus Verwaltung und Wirtschaft. Neben Oberbürgermeister Gregor Kathstede sollten namhafte Vertreter aus Handwerk und Bauwirtschaft sprechen, darunter der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Hans-Hartwig Loewenstein; der Vizepräsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Siegfried Schrempf, oder der Präsident der baugewerblichen Verbände, Rüdiger Otto.
Murauer betonte gestern weiter, dass das Treffen vor allem dem persönlichen Kennenlernen gedient hätte; auf Arbeitsebene unterhalte er bereits zu vielen der geladenen Gäste gute Kontakte; insofern sei die konkrete Arbeit durch die Absage nicht belastet.
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