Krefeld: Brutaler Mord an Inder – jetzt beginnt der Prozess
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 17.10.2007Krefeld (RPO). Es war der wohl brutalste Mord der vergangenen 15 Jahre: Rattan L. wurde mit zertrümmerten Kniescheiben und gebrochenem Fuß an der Lutherstraße aufgefunden, die Zähne waren ihm eingeschlagen worden, sein linkes Schienbein und sein rechtes Wadenbein waren gebrochen, auch im Gesicht hatte das 35-jährige Mordopfer Knochenbrüche erlitten. Der Gerichtsmediziner protokollierte bei der Obduktion am Tag nach der Tat zudem Riss- und Quetschwunden sowie einen gebrochenen Unterarm. Im Totenschein steht als Todesursache: Herz- und Kreislaufversagen – infolge nahezu unvorstellbar starker Schmerzen.
Prozess nach zwölf Jahren
Die Tat liegt mittlerweile mehr als zwölf Jahre zurück – übermorgen nun beginnt vor dem Landgericht der Prozess gegen den Inder Lakhvir S. Die Staatsanwaltschaft Krefeld wirft ihm vor, das Opfer gemeinschaftlich mit zwei weiteren Tatbeteiligten am 2. Mai 1995 getötet zu haben. Tatwaffe soll eine Eisenstange gewesen sein.
Nach der Tat tappte die Polizei im Dunkeln. Seit 1990 befand sich Rattan L. in Deutschland, war als Asylbewerber zunächst abgelehnt worden, hatte dann eine Deutsche geheiratet, die mit 71 Jahren mehr als doppelt so alt war wie L. selbst. Das Paar wohnte in Dorsten. Von seiner Frau verabschiedete er sich am Tag seines Todes um 16.20 Uhr. Er erzählte ihr, er habe ein Arbeitsangebot in Solingen.
Das Tatmotiv: Rache
Tatsächlich aber soll er nach Krefeld gefahren sein, zu einer Wohnung am Ostwall. Es sollte sein Todesurteil sein. Laut Staatsanwaltschaft erwarteten ihn dort der Angeklagte und weitere Mittäter, um Rattan L. zu bestrafen. Grund: Das Mordopfer habe die Ehefrau eines Mittäters am Telefon zum Sex aufgefordert – deshalb habe ihr Mann einen Plan zur Bestrafung entworfen. Er ist bereits rechtskräftig verurteilt. Zwei Stunden lang sollen die Männer auf Rattan L. mit Fäusten eingeprügelt haben, dann soll das spätere Mordopfer in eine Wohnung an der Rossstraße gebracht worden sein. Dort hätten ihn die Männer mit der Eisenstange misshandelt. Dabei soll der Angeklagte gefordert haben, L. zu töten, damit er nicht mehr zur Polizei gehen könne. Die Leiche des Opfers fanden Spaziergänger gegenüber dem Schwesternwohnheim der Städtischen Krankenanstalten.
Fr. 19. Oktober, 9 Uhr, Landgericht, Saal 157.
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