Krefeld: Bus und Bahn privatisieren?
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 01.03.2008Krefeld (RPO). Die Stadtwerke Krefeld prüfen, für die Sparte SWK Mobil einen Partner zu suchen. Denkbar wäre ein benachbartes Stadtwerk oder ein privater Partner. Duisburg signalisiert Interesse. Am Montag berät der Aufsichtsrat.
Der Vorstand der Stadtwerke hat den Aufsichtsrat vor die Frage gestellt, ob er die Verkehrssparte SWK Mobil privatisieren soll. Wie Aufsichratsvorsitzender Ulrich Hahnen erläutert, stehen für die Aufsichtsratssitzung am Montag drei Modelle zur Debatte.
1. Keine Veränderung: Die SWK Mobil bleiben eine selbstständige Tochter der Stadtwerke. Dies hätte den Vorteil, dass in die Regelung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) kein anderer hineinreden würde. Die jährlichen Verluste der SWK Mobil würden allerdings nicht verändert.
2. Regionale Partnerschaften Die SWK suchen einen Partner in der Region. Denkbar wären die Niederrheinischen Verkehrsbetriebe (NIAG), die Duisburger Verkehrsbetriebe (DVG) oder die Düsseldorfer Rheinbahn. Gegen die NIAG, die in den Kreisen Wesel und Kleve 150 Buslinien betreibt, spricht, dass sie keine Erfahrung mit Straßenbahnen hat. Die Rheinbahn dürfte nach Einschätzung von Kennern durchaus Interesse haben, Vorbehalte gibt es eher auf Krefelder Seite. Die DVG betreiben bereits mit Mülheim und Essen die „Rhein Ruhr Partner Verkehrsbetriebe“, ein in NRW viel beachtetes Projekt. DVG-Sprecher Torsten Hiermann erklärte gestern gegenüber der RP: „Wir sind uneingeschränkt offen für weitere Partner.“ Die Kooperation mit Essen und Mülheim habe nachhaltige wirtschaftliche Effekte hervorgebracht und diene der Beschäftigungssicherung.
Veolia Verkehr
Das Unternehmen ist an 40 Verkehrsunternehmen beteiligt, kooperiert mit 17 kommunalen Verkehrsbetrieben und beschäftigt im Personenverkehr rund 4250 Mitarbeiter.
Im ÖPNV verfügt Veolia über 1500 Busse, 26 Straßenbahntriebwagen und befördert jährlich etwa 160 Millionen Fahrgäste.
Der Umsatz betrug 2006 rund 430 Millionen Euro.
3. Privater Partner Der Stadtwerke-Vorstand scheint eher die Partnerschaft mit einem privaten Anbieter zu befürworten. Die Stadt Pforzheim hat jüngst solch eine Partnerschaft mit Veolia, dem führenden privaten Nahverkehrsanbeiter, geschlossen. Gemeinsam mit Veolia haben die Pforzheimer Stadtwerke eine neue Gesellschaft gegründet, die für den Betrieb des ÖPNV zuständig ist. Pro Jahr zahlt Veolia dafür einen strategischen Einstiegspreis von einer Million Euro. Der Vertrag ist auf zehn Jahre begrenzt.
Allerdings wirft solch eine Partnerschaft Fragen auf: Was passiert in zehn Jahren, wenn die SWK den Vertrag nicht weiterführen wollen? Sind die SWK dann noch in der Lage, alleine die Mobilsparte zu betreiben? Offen ist auch, was mit der Strecke passiert, die im Eigentum der SWK bliebe. Unklar sind die Folgen für die Mitarbeiter. Einen Kündigungsschutz für die zehnjährige Laufzeit des Vertrages gibt es in Pforzheim nicht. Für die SWK brächte solch eine Partnerschaft einen wirtschaftlichen Vorteil. Eine Zahlung des Partners bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr ist denkbar. Denn Krefeld ist für einen privaten Partner interessant – auch als Einstiegstor in die VRR-Region.
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