Krefeld: Bypass-Streit: Bockums Herz pocht
VON OTMAR SPROTHEN - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009 - 17:57Nach der überraschenden Entscheidung zur Bypass-Öffnung ist die Meinung der Bockumer gespalten. Viele Bürger hatten sich im Vorfeld für die abermalige Öffnung eingesetzt, einige waren mit der jetzigen Regelung zufrieden. Und mancher fragt sich: Ist die Entscheidung schon definitiv?
Noch ist der Bypass zu. Schon bald soll er aber nach dem Wunsch der Politik mit Mehrheit von CDU und FDP in Bockum wieder geöffnet werden. Kommt es wirklich dazu? Im Rathaus hatten gestern einige Entscheidungsträger daran noch erhebliche Zweifel. Die Verwunderung im Stadtteil über die „Rolle rückwärts” der CDU ist groß, wenngleich viele in der Sache einverstanden sind. 30.000 Euro könnte die Maßnahme insgesamt kosten 20.000 für die abermalige Betonierung der Straße, 10.000 Euro zuvor für die Begrünung.
Heinz Zimmermann ist Bockumer, seine Tochter wohnt am Bockumer Platz. Zimmermann, selbst CDU-Mann, führt den Hund der Tochter oft am Bockumer Platz aus und sagt: „Für mich war dieses Hin-und-Her fast ein Grund, aus der CDU auszutreten. Für das bisschen Grün hätte man den Verkehrsfluss nicht so behindern sollen. Mit dem Einbau einer Schwelle wären Raser auf preiswerte Weise ausgebremst worden. Den Kiosk drüben an der Uerdinger Straße betreiben Freunde von mir. Einen Unfall haben die noch nicht bemerkt.”
Dieser Meinung ist auch Manfred Gobbers: „Der Bypass soll geöffnet werden wie früher. Von den vielen Unfällen, die hier angeblich passieren, habe ich nie etwas bemerkt. Unser Enkelkind fährt täglich sicher mit dem Rad vorbei, um am Rathaus den Schulbus zu erreichen. Als Festplatz wird der Platz nur für ein Maifest genutzt. Damit zu argumentieren, ist Unfug. Eine schwache politische Vorstellung.”
Die Linnerin Roswitha Koch kommt zum Einkaufen regelmäßig an den Bockumer Platz. Sie ist aufbebracht: „Dieser Schildbürgerstreich ist die reine Geldverschwendung. Man hätte den Bypass mit einfachen Mitteln verkehrssicher machen können. Das Geld fehlt an anderer Stelle.” Der Bockumer Gerhard Goeser bringt sagt: „Wer die Lebensqualität der Bockumer wirklich heben möchte, sollte die Vierzigtonner aus dem Zentrum verbannen.” Hermann Worschech betreibt am Bockumer Platz einen Frisörsalon. Er ist immer noch empört über die Bypasssperrung: „Das war völliger Unsinn, da der Verkehrsfluss abgewürgt wird. Wenn die Ampel am Rathaus auf Rot springt, biegen die Autofahrer in die schmale Umfahrung des Platzes ab und brettern ampelfrei in die Uerdinger Straße. Die Straße wirkt als Ersatz-Bypass. Ich habe schon mal einen Bus angehalten, weil mir seine Geschwindigkeit nicht gepasst hatte.”
Worschech möchte bei der Wiederöffnung des Bypasses das alte Vorfahrtszeichen durch ein Stoppschild ersetzt sehen. „Das Theater sollte der Leiter des Tiefbauamtes und der Bezirksvorsteher aus der eigenen Tasche bezahlen.” Anwohner Horst Seuser meint: „Mich hat am meisten gestört, dass man gegen den erklärten Willen der meisten Bürger dieses Ding gebaut hat. Das viele Geld, das man hier verbaut hat, hätte man an anderer Stelle besser verwenden können. ” Zwei Politessen vom Bockumer Platz schütteln den Kopf: „Eine teure Verrücktheit. Unfälle haben wir hier noch nicht bemerkt. Ein Stoppschild für den Bypass hätte genügt. Das hier verschwendete Geld wäre besser in die Sauberhaltung unserer Stadt gesteckt worden.”
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