Krefeld: Chefs im Internet bewerten
VON SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 14.10.2008Krefeld (RPO). Erst wurden Lehrer im Netz benotet. Auf Kununu.com stehen nun Arbeitgeber auf dem Prüfstand. Unter anderem 24 Firmen aus Krefeld. Die Chefs sehen die öffentliche und anonyme Beurteilung äußerst skeptisch.
Den passenden Arbeitgeber zu finden, ist nicht einfach. Informationen gibt zwar reichlich im Internet. Aber dort präsentieren sich die Firmen ausschließlich von ihrer besten Seite. Über Arbeitsatmosphäre oder Aufstiegsmöglichkeiten erfährt ein Jobsuchender in der Regel nichts. Um diese Lücke zu schließen, haben die Wiener Brüder Martin und Mark Poreda im vergangenen Jahr kununu.com gegründet. In diesem Portal bewerten aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter ihren Arbeitgeber. Inzwischen gibt es 16 731 Benotungen für 8556 Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unter anderem auch für 24 Krefelder Firmen mit mehr oder weniger positiven Ergebnissen.
Krefeld in Noten
Zahl 24 Krefelder Firmen werden zurzeit unter www.kununu.com bewertet.
Branchen Die Firmen stammen unter anderem aus Bereichen wie Kultur, Telefon-Marketing, Zeitarbeit, Gastronomie, Gesundheit, Handwerk und Software.
Punkte Krefelds Firmen wurden mit Punkten zwischen 0,86 und 4,39 bewertet. Dabei ist null die schlechteste und fünf die beste Beurteilung.
„Urteile sind Momentaufnahmen“
In 13 Kategorien wie „Der Chef“ und „Die Kollegen“ können Mitarbeiter Punkte verteilen, ohne die eigene Identität preiszugeben. Die Firmen sehen diese öffentliche Bewertung mit einiger Skepsis. Sie können gegen schlechte Bewertungen kaum vorgehen, befürchtet Franz-Josef Susen, Geschäftsführer des Seniorenzentrums (SZK) Krefeld, das mit 4,35 von fünf möglichen Punkten benotet wurde. Das macht auch Andreas Franke, Marketingleiter der AOK Krefeld, skeptisch: „Wenn ein Mitarbeiter, der sich ungerecht behandelt fühlt, eine Firma verlässt, gibt der schnell mal eine negative Bewertung ab.“ Die AOK kommt mit knapp vier von fünf möglichen Punkten weg.
Weiterer Kritikpunkt: Bisher gibt es meist nur einen einzigen Bewerter pro Firma. Jürgen Mengert, Vorsitzender der Kulturfabrik (Kufa): „Ich kann nicht aus einer positiven Bewertung ableiten, dass alles in einer Firma gut ist“ – die Kufa wurde einmal mit 4,39 Punkten benotet. Solch eine Beurteilung sei eine Momentaufnahme. Deshalb würde Mengert sie nicht überbewerten. „Aber man sollte auch nie sagen: Das ist völliger Blödsinn.“ Grundsätzlich findet der Kufa-Vorsitzende das Kununu-Konzept gut. Nicht in jeder Firma gebe es Betriebsräte oder Foren, in denen sich Mitarbeiter zu Wort melden können. Und durch das Internet könne ein Arbeitgeber die Stimmung bei seinen Angestellten kennen lernen. Dennoch bauen die Krefelder Firmen weiter auf Mitarbeiter-Befragungen und -Gespräche. Arbeitgeber und Arbeitssuchende sollten Bewertungsplattformen kritisch betrachten, aber keinesfalls missachten, rät Unternehmensberaterin Ulrike de Kruijf. „Es würde mir zu denken geben, wenn ich als Arbeitgeber massenhaft miserable Bewertungen habe.“ Positiv sieht sie die differenzierte Bewertung auf Kununu. Fragen zu Karrierewünschen und Umweltbewusstsein könnten Arbeitgeber für Mitarbeiter-Fragebögen im eigenen Haus als Beispiel nutzen. Denn eine demokratisch-kooperative Firmenleitung verschließe sich internen Befragungen nicht, so de Kruijf.
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