Krefeld: Chilenische Sekte: Spur führt nach Krefeld
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.04.2007Krefeld (RPO). Die Spur der ehemaligen chilenischen Sekte „Colonia Dignidad“, die über 30 Jahre lang schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit beging, führt bis nach Krefeld. Nach Recherchen des ARD-Nachrichtenmagazins „Monitor“ lebt mit Albert Schreiber einer der führenden Köpfe von „Colonia Dignidad“ („Kolonie der Würde“) auf Stadtgebiet. Die Sekte soll nach Darstellung eines ehemaligen Mitglieds totale Kontrolle über ihre Anhänger ausgeübt haben.
Sektenchef Paul Schäfer, dem Albert Schreiber nahe gestanden haben soll, sei pädophil gewesen und habe Kinder von den Eltern getrennt, um sie als Lustobjekte zu gewinnen. Zudem sei in der Sekte gefoltert und gemordet worden. Wegen all dieser Vergehen sitzt Paul Schäfer in Chile in Haft. Der Oberste Gerichtshof in Chile will auch eine Auslieferung Schreibers. Der allerdings lebt auf freiem Fuß. Er soll Finanzchef der Sekte gewesen sein, in deren Händen sich nach Schätzungen von Experten Schwarzgeld in Millionenhöhe befinde. Seine Spur führt in die „Freie Volksmission Krefeld“. Im Stadtteil Oppum führt der Prediger Ewald Frank die Glaubensgemeinschaft „Freie Volksmission“, an deren Gottesdiensten auch drei ehemalige Colonia Dignidad-Familien aus Bocholt und Gronau teilnehmen.
Auch Albert Schreiber sei schon dort gewesen, sagt Ewald Frank. Zuletzt habe er ihn nicht mehr gesehen. „Es kann sein, dass er öfter kommt, aber so genau sehe ich das vom Altar aus nicht.“ Am Wochenende würden bis zu 800 Anhänger der Glaubensgemeinschaft an der Straße Am Herbertshof in Oppum den Gottesdienst feiern. Die „Freie Volksmission“ finanziere sich ausschließlich durch Spenden. „Unsere Gottesdienstbesucher zahlen nichts.“ Von Amnesty International wird ihm unter anderem vorgeworfen, antisemitische Inhalte in seine Predigten einzubinden. „Wer so etwas schreibt, der lügt“, sagt Frank, der im Jahre 2004 drei Mal nach Chile reiste, um bei „Colonia Dignidad“ zu predigen.
Nach Monitor-Recherchen ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft gegen Schreiber wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch, die Staatsanwaltschaft Memmingen wegen versuchten Missbrauchs. Obwohl dort die Adresse von Schreiber bekannt sei, wurde Schreiber bisher nicht vernommen. Nach Auskunft von Frank sitzt Schreiber mittlerweile im Rollstuhl, trage einen Bypass und habe sich nach Jahren der Flucht der Familie wegen in Krefeld niedergelassen.






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