Krefeld: Christian Ulmen dreht in Krefeld
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.12.2008Krefeld (RPO). An der Pastoriusstraße 66 in Linn wurde Mittwoch ein Kinofilm gedreht. Familie Michala traf die Nachricht, dass der Film vor ihrem Haus spielen soll, wie der Blitz. Dafür bekamen sie den Flur gestrichen, das Filmteam zahlt Miete und Hauptdarsteller Christian Ulmen kam zum Plätzchenessen.
Christian Ulmen, der Strolch. Als ihn eine Journalistin gestern fragte, was er am Abend noch in Krefeld unternehmen wolle, sagt der Kinostar nach einigem Zögern: „Ja, wir wollen uns auf jeden Fall noch das Völkerkundemuseum in Krefeld anschauen und dann noch zum Wienerwald, Schnitzel essen.“
Mit anderen Worten: Ulmen hat keine Ahnung, was in Krefeld los ist. Er dreht hier, geht im Mercure Parkhotel spät ins Bett, muss dafür aber auch nicht so früh aus den Federn und freut sich, wenn der Kinofilm bald fertig ist. Die Antwort war trotzdem lustig.
Etwas von Krefeld hat Christian Ulmen aber dann doch noch kennen gelernt: die liebenswürdige Familie Michala. Die wohnt in Linn an der Pastoriusstraße und hat für den Filmdreh ihr Haus zur Verfügung gestellt.
Krefeld als Kulisse
Nicht nur in Linn wurde gedreht. Auch andere Plätze in Krefeld dienten als Kulisse für den Kinofilm – der Hauptbahnhof, Thyssen-Krupp Nirosta und das Vereinsheim des Uerdinger Tambourcorps, das zu einer Hühnerbraterei umgebaut wurde. Mehrere Szenen wurden auch bei Dujardin in Uerdingen aufgenommen. In wenigen Tagen schon werden die Dreharbeiten abgeschlossen sein. Ins Kino kommt der Film im Spätsommer 2009.
„Plötzlich lag ein Brief im Postkasten, in dem stand, dass das Kinoteam unser Haus mieten will, um hier einen Film zu drehen. Wir haben gleich zugesagt“, sagt Teresa Michala, die zusammen mit ihrem Mann Heinrich Michala vor rund 20 Jahren aus Ostpreußen kam. Ihre Migrationsgeschichte passt gewissermaßen zur Geschichte des Films. Da geht es nämlich auch um Einwanderung.
„Maria, ihm schmeckt’s nicht“ heißt der Kinofilm, basiert auf einem Roman des Autors Jan Weiler und erzählt die in Krefeld spielende Geschichte eines Deutschen (gespielt von Ulmen), der sich in eine Italienerin verliebt und folglich italienische Schwiegereltern bekommt. Daraus entwickelt sich ein mittelgroßes Drama, das Christian Ulmen aber sehr bekannt ist. Er selbst ist mit einer Halbitalienerin verheiratet, seine Schwiegermutter ist Italienerin. „Aber eigentlich ist mein deutscher Schwiegervater viel italienischer als seine Frau.“
Ulmen mag das Heimelige, sagte er, als er sich das Wohnzimmer der Michalas anschaute, in dem er Interviewgäste empfing. Teresa Michala hatte extra für diesen Interviewtermin eine Plastikschachtel mit Plätzchen aufgestellt. „Sind die für uns“, fragte Ulmen. Frau Michala grinste, weil Ulmen so nett fragte. Sie kannte ihn vorher gar nicht, aber ihr Mann hatte sich im Internet Bilder des Schauspielers angesehen.
Die Außenaufnahme vor dem Haus war schnell im Kasten: Ulmen und seine italienische Freundin (gespielt von Mina Tander) fuhren mit dem Auto vor, bremsten und traten vor die Haustür. Kurz ist auch das Haus der Michalas zu sehen. Ein Locationscout des Filmteams hatte es ausgesucht, weil er ein typisches deutsches Reihenhaus wollte.
Das Haus an der Pastoriusstraße 66 habe perfekt auf ihre Vorstellungen gepasst, sagt Regisseurin Neele Leana Vollmar. Ein paar kleine Korrekturen wurden doch vorgenommen. Der Flur wurde gestrichen und das Klingelschild ersetzt. „Marcipane“ stand gestern dort, wo sonst „Michala“ steht.
Zur Erheiterung trug der Filmdreh auch in der Nachbarschaft bei. Viele Anwohner der Pastoriusstraße lehnten sich aus den Fenstern und schauten zu. Hans (80) und Hannelore (75) Ludwig hatten am meisten Zeit, waren aber schon früh am Tag sehr müde. Warum, das erklärt Hans Ludwig am besten selbst: „Die Stadt hatte vorher Schilder aufgestellt, dass alle Autos spätestens um sechs Uhr morgens hier weg sein müssen.“ Der Rentner fuhr also sein Auto um 5.30 Uhr gestern früh zum nächsten Parkplatz und wartete.
Geschlagene sechs Stunden dauerte dieses Warten. Das Filmteam kam um 11 Uhr. Hans und Hannelore Ludwig waren etwas sauer, haben dennoch beschlossen, sich den Film bald im Kino anzuschauen.
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