Krefeld: Darf ein Zoo Afrika ausstellen?
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009Krefeld (RPO). Vincent Djeumo ärgert sich über Afrika-Kultur im Zoo: "Deutsche Kunst wird anderswo auch nicht im Zoo präsentiert." "Klischeehaft" nennt er die Veranstaltung. Der Zoo wehrt sich: "Es handelt sich um einen Info-Tag."
Besucht hat Vincent Djeumo den Krefelder Zoo noch nicht, trotzdem hat er sich kräftig über ihn geärgert. Djeumo klickte vor einigen Tagen auf die Internetseite des Zoos und wunderte sich über den dort präsentierten "Afrikatag" am 21. Mai. Der Kameruner mit Wohnsitz in Düsseldorf sagt: "Ich finde es beschämend, dass Afrikas Kultur in einem Zoo ausgestellt wird. Man stelle sich vor, deutsche Kultur würde in Paris in einem Zoo dargestellt oder ich würde aus Thomas Manns Werk in Kamerun in einem Tierpark vorlesen." Solche Aktionstage über Afrika erinnerten ihn immer an die Völkerschauen aus dem 19. Jahrhundert. Deshalb fordert er: "Der Krefelder Zoo sollte diesen Afrikatag absagen."
Mit der Zooleitung um Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen und Sprecherin Petra Schwinn hat Vincent Djeumo schon Kontakt aufgenommen. Dort ist man empört über die Vorwürfe: "Die Kritik, dass wir hier eine Völkerschau präsentieren, ist absolut ungerechtfertigt. Das sind Diffamierungen, die nicht haltbar sind. Es handelt sich um einen normalen Info-Tag", sagt Zoodirektor Wolfgang Dreßen, der den Afrikatag beibehalten will. Er weiß: "Tierschutz geht nie ohne die Einbeziehung des Menschen vor Ort, die ökonomische Situation spielt eine große Rolle. Deshalb wollen wir helfen." Und: "Die Vereine, die an unserem Afrikatag teilnehmen, sind alle auf uns zugekommen, nicht wir auf sie."
Kriegerfahnen und Afrikamuster
Djeumos Kritik zielt besonders auf die seiner Meinung nach "klischeehaften" Programmpunkte: Ein afrikanischer Zauberer soll die Besucher mit "traditionellen Mustern" bemalen, es wird Führungen durch die Ausstellung "Die Fahnen der Krieger – Textilkunst aus Ghana" geben, eine Flugbörse soll Lust auf Safaris machen und ein Projekt namens "Williams Hill" soll armen Waisenkindern in Uganda helfen.
Unterstützung erhält Djeumo vom Krefelder Verein "Light of Africa". Dessen Sprecher Michael Friedrich sagt: "Bei uns haben schon vor einigen Monaten die im Zoo installierten Steinskulpturen Befremden ausgelöst. Warum zeigt man afrikanische Kunst permanent nur im Zoo, warum nicht mal in einem echten Museum?"
"Verallgemeinerungen ärgern"
Der Kameruner Vincent Djeumo hofft, dass seine Kritik die Einstellung der Menschen zu Afrika verändern kann. "Das Afrikabild in den Medien ist ohnehin immer gleich, es geht immer nur um Armut, Krankheiten oder Tiere. Diese Verallgemeinerung ärgert mich." Den Zoo Krefeld will er dennoch bald einmal besuchen – nicht zum Afrikatag, aber an einem normalen Zoo-Tag: "Vielleicht kommen wir demnächst einmal mit einigen afrikanischen Familien."
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