Krefeld: Darf man gegen Iran Fußball spielen?
zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 - 11:01Um das Testspiel zwischen dem KFC Uerdingen und Irans Nationalmannschaft in Krefeld ist eine Diskussion entbrannt. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit fordert, das Spiel abzusagen. Wir tragen Argumente und Gegenargumente in einem Pro und Contra zusammen.
Pro: Einfach nur Sport
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Fußball als westliche Sportart zur Öffnung des Iran beitragen kann. Die antiwestliche Haltung des Regimes wird in diesem Sport eher untergraben statt gefördert. Auch darum hat der KFC mit Unverständnis auf die Aufforderung zur Absage des Spiels reagiert. Politik und Sport seien zwei verschiedene Paar Schuhe, hatte Vorsitzender Lakis gesagt. Trainer Peter Wongrowitz sprach davon, dass Fußball eher eine verbindende als trennende Wirkung habe, weil auf dem Platz 22 Mann zwar gegeneinander antreten, aber ohne einen Gegner ein solches Spiel erst gar nicht stattfinden könnte. Insofern spielen die beiden Teams auch miteinander, trotz der Rivalität auf dem Feld.
Die 20, 22 Akteure nebst Trainern und Betreuern aus dem Iran haben schließlich nicht zu verantworten, was ihre Regierung beschließt – sonst hätte Nordkorea bei der WM wohl nicht mitspielen dürfen. Eine Absage aus politischen Gründen würde eh gegen FIFA-Richtlinien verstoßen. Jüngstes Beispiel ist der Disput zwischen der Nationalmannschaft von Nigeria und dem Weltfußballverband FIFA. Nigerias Staatspräsident hatte aufgrund des schlechten Abschneidens bei der WM beabsichtigt, die Nationalelf für zwei Jahre nicht mehr antreten zu lassen. Die FIFA intervenierte, weil ihre Regeln ausdrücklich staatliche Einmischung in die Belange der autonomen Fußball-Verbände untersagen. Als Konsequenz hatte die FIFA damit gedroht, Nigeria aus dem Verband zu werfen – die Politik gab nach. Ähnliches gilt für das geplante Testspiel. Letztendlich wollen 22 Akteure Fußball spielen – und nur darum geht es.
Die Krefelder Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hat das Testspiel des KFC Uerdingen gegen die iranische Nationalmannschaft (16. Juli) kritisiert. In einem Offenen Brief an den KFC-Vorstand hatte der Geschäftsführer der Gesellschaft, Joachim Klupsch, den Verein aufgefordert, das Spiel abzusagen. „Verhindern Sie, dass ein antidemokratischer, totalitärer, antisemitischer und die Menschenrechte verachtender Staat durch Sie die Möglichkeit erhält, sich scheinbar unpolitisch mit seiner Fußballnationalmannschaft in Westeuropa beliebt machen zu können“, hatte er in dem Brief geschrieben. Eine Absage sei „eine kleine symbolische Geste des Protestes“ gegenüber dem antisemitischen Regime in Teheran samt seinem Atomprogramm.
Contra: Mehr als nur Sport
(RP) Der internationale Fußball ist leider keine politikfreie Zone – dies zu glauben ist eine Illusion. Ironischerweise ist auch die Sehnsucht, dass es im Umgang mit dem Iran einfach nur um Sport gehen könne, eine politische Vision: Wenn es zwischen Staaten „nur“ um Fußball geht, sind alle Konflikte bereinigt. Das Problem: Kein einziger der Konflikte mit dem Iran ist bereinigt, das Land ist international isoliert, steht unter dem Druck von UN-Sanktionen und riskiert mit seiner zwielichtigen Atompolitik letztlich Krieg im Nahen Osten.
Dass Irans Präsident Ahmadinedschad notorisch die Vernichtung Israels fordert, macht das Thema für Deutschland besonders sensibel. Natürlich darf man die iranischen Fußballer nicht für die Politik ihres Staates haftbar machen; es geht gar nicht um sie; es geht um die politische Symbolik, die bei einem solchen Treffen immer mitzelebriert wird, ob man es wahrhaben will oder nicht. Ein solches Trainingsspiel suggeriert eine binationale Normalität, die es eben nicht gibt. Der Iran hat bislang nichts getan, um den Verdacht zu zerstreuen, dass er an einer Atombombe arbeitet.
Der Iran ist ein Land, in dem Jugendliche hingerichtet, Frauen unterdrückt, Oppositionelle inhaftiert und getötet werden. Das Regime steht im Verdacht, islamistische Terroristen zu unterstützen; die internationale Gemeinschaft bemüht sich über Sanktionen, die Iraner bei ihrer Atompolitik zum Einlenken zu bewegen. Ein deutscher Fußballclub sollte nun nicht so tun, als gäbe es eine politikfreie Zone, in der es die Uno und die Welt nicht gibt, sondern nur ein Spielfeld und 22 Mann, die kicken wollen.
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