Krefeld: Das braune Gold vom Rhein
VON MARKUS WASCH - zuletzt aktualisiert: 23.10.2006Krefeld (RPO). „krähzy“– ein ALT-Traum heißt das neue Stück der Krefelder Krähen. Die Opernpersiflage erzählt die Geschichte des Altbiers mit aktueller Thematik. Dabei bedienen sich die Krähen jeder Menge rheinischer Klischees.
„Alt hält Jung. Alt gibt Schwung. Man muss Abends mit Alt anfangen, wenn man morgens mit Alt aufgehört hat. Prösterchen“, sagt Billa Börtges und gibt damit dem hellen Alt seinen ursprüngliche Geschmack und seine natürliche braune Farbe wieder. Damit ist es vollbracht, der Niederrhein hat sein geliebtes Alt zurück. Billa hebt das braune Gold wie eine Reliquie in die Höhe, um es danach in einem Zug die durstige Kehle hinunter zu schütten.
Billa Börtges hat sämtliche Alt-Brauer des Niederrheins in ihrer Hand, denn sie kennt als einzige die Zauberformel für das perfekte Altbier. Ihr Geliebter Hans Alt hat ihr die Formel auf dem Sterbebett mitgeteilt. Deshalb werben Frankenheim, Diebels, Rhenania und Bolten um die ergraute Dame. Denn ohne die Formel können die Brauer vom Niederrhein nur noch helles Alt brauen, das „schmeckt wie frisch vom Kaltblüter.“ So versuchen die vier Brauereien an die Zauberformel zu kommen, während sich die Brauerin Colonia Früh mit dem hellen Alt abgefunden hat und es in Köln als „Kölsch“ verkauft.
Die Krähen
Gegründet wurde das Kabarett „Die Krähen“ 1985.
Mitglieder sind Fred Holt, Karl-Willi Severens, Theo Versteegen, Frank Neubert, Dirk Blondin, Jochen Butz, Christoph Butz und Stefan Erlenwein.
Eingespielt haben die Krähen seit ihrer Gründung 250 000 eingespielt und gespendet.
„Schon seit Jahren beschäftigte mich der Gedanke, ein Stück über den Rückgang des Alts zu schreiben“, sagt Jochen Butz. Er ist der Leiter der Krähen und hat das neue Stück „krähzy– der ultimative ALT-Traum“ geschrieben. Vor allem die Jugend, die nur noch „Bier mit Zitrone, Orange oder Apfel trinkt“, möchte Butz für das Alt begeistern. Am Freitag und Samstag schafften es die Krähen, zumindest bei einem Großteil des Publikums, den Alt-Konsum anzuregen.
Die Opernpersiflage bedient sich aller vorhandenen Klischees, vom selbstbewusst strotzendem Düsseldorfer bis zum vorlautem Kölsche Mädchen. Doch auch die Stadt Krefeld muss den ein oder anderen Seitenhieb einstecken. So soll zum Beispiel im Behnischbau Billa Börtges Brauerei entstehen. „Stell dir mal vor, das ganze Aquarium voll mit Bier.“ Sogar für die ständigen Straßenbauarbeiten in Krefeld gibt es eine Erklärung. Bei den Bauarbeiten werden Alt-Pipelines in jeden Krefelder Haushalt gelegt.
Die vielfältige Auswahl an Liedern beeindruckt. Auf die Melodie von „Griechischer Wein“ wird das Alt besungen. Nicht mehr Schnaps, sondern Alt war sein letztes Wort. Die sechs Akteure bringen die Lieder durch ihren Gesang erst richtig zur Geltung.
Billa Börtges weigert sich übrigens, das Geheimrezept zu verraten. Stattdessen versorgt sie alle Brauereien mit ihrem selbst gebrauten Alt. Die dürfen dafür brauen was sie wollen: Pils, Landbier oder sogar Kölsch.
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