Krefeld: Das ist der Kraftwerks-Plan
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 07.05.2010Krefeld (RPO). Bei einer Pressekonferenz warben Trianel und Bayer für das Kohlekraftwerk. Ab dem 14. Mai können Bürger im Internet und in öffentlichen Gebäuden die Planung einsehen. Die Unternehmen wollen sich Kritikern stellen.
Zehntausende Einwendungen gegen das in Uerdingen geplante Steinkohlekraftwerk erwartet der Investor Trianel. Bei der gestrigen Pressekonferenz zur Offenlage der Pläne versicherte Projektleiter Martin Hector: "Wir werden alle Anregungen im Genehmigungsverfahren ernst nehmen und genauestens prüfen. Wir verstehen es als unsere Pflicht, eine solide Basis für das Kraftwerk zu schaffen." Erste Einwände der Umweltverbände sind schon bekannt – die Kreuzkröte und Wasserfledermaus leben auf dem Gelände und sollen laut Trianel umgesiedelt werden. Der Protest der Stadt Duisburg gegen eine Kühlwasserleitung und ein Kohleförderband könnte von der Bezirksregierung übergangen werden.
Vom 14. Mai an liegen die neun Aktenordner mit Antragsunterlagen, 3000 Seiten Text und Pläne, zum 750-Megawatt-Steinkohlekraftwerk in den Stadtverwaltungen von Krefeld (Stadthaus), Rheinhausen, Moers, Meerbusch und Neukirchen-Vluyn für vier Wochen aus. Bürger können dort und im Internet auf der Seite www.bezreg-duesseldorf.nrw.de Einsicht nehmen und bis zum 28. Juni Einwendungen abgeben. Gestern machte die Bezirksregierung Düsseldorf das Projekt in Tageszeitungen öffentlich. Als "ganz entscheidend" bezeichnete deshalb Martin Hector den Tag.
Der Zeitplan
Ab 14. Mai Offenlage, danach sind Einwendungen bis zum 28. Juni möglich. Verfahrensführer ist die Bezirksregierung, sie nimmt die Einwendungen entgegen und leitet sie an Trianel weiter.
Sommer 2010 Trianel nimmt Verhandlungen mit Anlagenbauern auf, danach Verhandlungen mit den Banken.
20. September 2010: Erörterungstermin, Diskussion im Seidenweberhaus Krefeld.
1. Quartal 2011: Der Baubeginn hat sich um ein Quartal nach hinten verschoben. Trianel rechnet jetzt für Anfang 2011 damit. "Eine Klage hat keine aufschiebende Wirkung", erklärte Trianel-Ingenieur Jürgen Bewerunge.
Warten auf die Landtagswahl
Einen brisanten Zeitpunkt hat sich die Bezirksregierung für die Offenlage ausgesucht – drei Tage vor der Wahl bringt sie das Projekt mit dem startenden Genehmigungsverfahren einen entscheidenden Schritt nach vorne. "Wir haben großen Respekt vor dem Mut, unabhängig von der Wahl den nächsten Schritt zu tun", so Trianel-Sprecher Elmar Thyen.
Mit Spannung wird auch beim Aachener Stadtwerke-Bündnis Trianel das Ergebnis der Landtagswahl erwartet: Selbst eine schwarz-gelbe Koalition, auf Landesebene eigentlich Befürworter des Kraftwerks, könnte das Kraftwerk zum Kippen bringen, mutmaßt man dort. Denn auf Bundesebene würde dies wohl eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke bedeuten. Eine Laufzeitverlängerung von 20 Jahren wiederum könnte gravierenden Einfluss auf die Kraftwerksplanung haben.
Planspiele mit Gas
Womöglich müsste dann auch neu über ein Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerk nachgedacht werden. "Nicht finanzierbar angesichts der Gaspreise", sagte gestern Stefan Dresely, Leiter des Chemparks. Insbesondere die einseitige Abhängigkeit von Russland lässt die Investoren davor zurückschrecken. Sein Argument pro Kohle: Das "hochmoderne" Krefelder Steinkohlekraftwerk könne schon jetzt gegenüber vergleichbaren Altanlagen 1,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen – eine Kraft-Wärme-Kopplung durch die Verwendung von Dampf für den Chempark ist da noch nicht mal eingerechnet. Unter einer Voraussetzung könne man sich allerdings auch ein GuD-Kraftwerk dort vorstellen, sagte Martin Hector: "Wenn wir einen ordentlichen Gas-Liefervertrag über 20 Jahre bekommen, würden wir neu nachdenken."
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