Krefeld: Der Barbier vom Stadtbad
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 29.12.2008Krefeld (RPO). „Barbier Stephan“ hängt seine Scheren an den Nagel. Seit Jahrzehnten war er der geschätzte Friseur vom Stadtbad. Nun geht er in den Ruhestand. Einen Nachfolger wird es nicht geben.
Alle haben sie in den letzten 33 Jahren bei „Barbier Stephan“ vor dem Spiegel in dem Sessel von 1976 gesessen, dessen Armlehnen mittlerweile wackeln. Sie kamen zum Haareschneiden in den Salon im Stadtbad: Politiker und Sportler, Musiker und Punks, und alle waren sie Stammkunden.
Stephan bot den Haarschnitt für jedermann, die dritte Generation bedient er mittlerweile, auch bei Damen hält er die Haare kurz. „Das waren keine Kunden, wir waren wie eine Familie“, sagt der Friseurmeister, der sich mit allen duzt. Auch viele Kunden kennen sich untereinander, ausgewanderte Krefelder schauen beim Heimatbesuch bei Stephan rein: „Sogar aus Florida kommt einer.“ Terminabsprachen gab es nicht, man wartete und hatte Zeit zum Reden. Vieles, auch Intimes, vertrauten die Kunden ihm an, manche kommen auch mal nur zum Plaudern.
Zur Person
Geboren wurde Stefan Sczesniok, der als „Barbier Stephan“ firmiert, am 4. September 1943 in Oppeln.
Nach Krefeld kam er 1969.
Seinen Meisterbrief ließ er sich 1971 umschreiben.
Den Salon im Stadtbad übernahm er 1975.
„Die ,ärgern’ mich, wenn sie in Urlaub sind“, sagt er und zeigt auf die vielen Postkarten-Grüße seiner Kunden aus aller Welt. Selber hat er in den ersten 15 Jahren keinen Urlaub machen können, bis 1984 beschäftigte er noch Angestellte, seitdem war er von Dienstag bis Samstag allein. Früher kamen auch Badbenutzer, und etliche Geschäftsleute der Neusser Straße ließen sich dreimal pro Woche rasieren. Die Nassrasur strich er erst vor drei Jahren aus seinem Angebot.
Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und der familiäre Umgang waren das Geheimnis seines Berufserfolges. Das Stehen machte ihm nie Probleme. „Das waren sehr schöne glückliche Jahre hier“, sagt Stephan am Ende seines Berufslebens. Er will kein Aufheben von seinem Ausscheiden machen, anders als vor 15 Jahren, als er seinen runden Geburtstag mit seinen Kunden groß im Nordbahnhof feierte. Das Geschenk, eine Uhr von Jari, hängt über den Spiegeln. Dort sind auch Fotos aus einer Diplomarbeit, die eine Studentin über seinen Salon verfasste, angepinnt. Stolz ist Stephan auch über den Bericht eines Düsseldorfer Szeneblattes über ihn. Werbung hatte er aber nie nötig, seine Qualitäten sprachen sich rum.
Ab Januar müssen sich die Kunden nun einen neuen Frisör suchen, es wird keinen Nachfolger geben. Die Stadt, die auch schon seit Jahren keine Heizwärme mehr liefert, wird den Frisörladen nicht mehr vermieten. In den vergangenen Tagen gab es bei Stephan noch mal Glühwein für die Kunden und für den Barbier traurige Abschiedsworte. Aber auch gute Wünsche für die Zukunft. Endlich hat er Zeit für Städtereisen und um Deutschland kennen zu lernen. Und um sich der einjährigen Enkelin Leyla Victoria zu widmen. „Opa Stephan“ wird sich aber auch gerne an seine Zeit als „Barbier Stephan“ zurück erinnern: „Ich würde diesen Berufsweg wieder gehen.“
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