Krefeld: Der Frauenversteher
VON MOJO MENDIOLA - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Krefeld (RPO). Thomas Reis fragte in der ausverkauften Kulturfabrik: "Machen Frauen glücklich?" Er gab mehr als den Mario-Bath-Verschnitt für höhere Bildungsschichten, er hatte politische Spikes dabei.
Die winterliche Glatteisgefahr ist für Thomas Reis offenbar noch nicht Nervenkitzel genug. Am Sonntag wagte sich der Kabarettist im ausverkauften großen Saal der Kufa an die ebenfalls tückische Frage "Machen Frauen wirklich glücklich?" Reis dachte allerdings nicht daran, nur einen Mario Barth-Abend für höhere Bildungsschichten zu geben, sondern hatte, um nicht auszurutschen, politische Spikes mitgebracht.
So erklärte er, dass die meisten Männer nur deshalb heiraten, weil sie von den Frauen überfordert seien, und dass die Macht nicht nur grammatisch weiblich sei. Und schon war er bei Obama. Dass ein Schwarzer und Linkshänder gewählt wurde, sei als Versuch der "Entbushifizierung" ja noch verständlich, aber ein Intellektueller als Präsident der USA sei nun wirklich eine Überraschung. Wenn aber der Papst an die unbefleckte Empfängnis Mariens glaube, dann sei es auch nicht verwunderlich, dass er eine schwangere Neunjährige exkommuniziere, ihren Vater, der sie gewaltsam geschwängert hatte, aber nicht, weil der schließlich gebeichtet hätte. Guantanamo werde noch zur Unterbringung von Condoleezza Rice gebraucht, und Ackermanns Magengeschwür passe nicht zu ihm, denn es sei gutartig.
In Pseudo-Dialogen quer durch ein halbes Dutzend Mundarten kam Reis immer wieder auf das Männer-Frauen-Thema zu sprechen. Frauen und Haushalt: Ordnungsliebend sind sie, wenn jemand das Aufräumen übernimmt. Frauen und Selbstmord: Was zieht man dafür bloß an? Frauen und Feminismus: Alice Schwarzenegger – kein Tippfehler – sei die einzige Frau, die Männer noch so sehe, wie sie selbst gern wären, und Frauen in der Küche: Was sollen sie da? Nebenbei hechelte er das komplette Bundeskabinett als Biotop für schützenswerte Angehörige benachteiligter Gruppen durch und erinnerte daran, dass Politiker Ungelernte seien, also eigentlich einfache Leute.
Gelacht wurde nicht immer, ankommen tat Reis vielleicht gerade deshalb. Und wegen manch feinsinniger Bemerkung, zum Beispiel dass Kinder liebenswert seien, weil sie niemals ihresgleichen mit dem Herumzeigen von Fotos ihrer Eltern nerven, und dass in dem Wort "ver-liebt" doch schon der ganze Irrtum der Beziehungskiste ausgedrückt sei. Und inwiefern sind Frauen irrational? Nun, weil sie die Männer kennen und trotzdem Erwartungen an sie stellen. Schon der erste Satz des Abends hatte gelautet: "Lassen Sie uns gleich ein paar abschließende Worte finden: Es bringt alles nichts." Stürmischer Applaus.
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