Krefeld: Der Prinz macht den Reich-Ranicki
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 12.11.2008Krefeld (RPO). „Ich nehme das Amt als Prinz Karneval nicht an“, sagte Johannes IX. gestern im Rathaussaal – zur Erleichterung der Narren allerdings im Tonfall des berühmten Literaturkritikers. Martina II. lud zum klärenden Gespräch ins Seidenweberhaus.
Die Inthronisierung des neuen Prinzenpaares, Johannes IX. und Martina II. (Kockers), wäre gestern beinahe mit einem Eklat geendet: „Ich nehme das Amt als Prinz Karneval nicht an“, schleuderte Johannes Kockers den Narren im Rathaussaal in der Sprechweise Marcel Reich-Ranickis entgegen. Er habe Ehrungen wie die Titel Dr. humoris causa und Närrischer Ehrenbürger, erfahren und habe keine Probleme gehabt, sich dafür zu bedanken. „Aber ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet. Es ist schlimm, was ich bisher hier miterleben musste“, zitierte er den Literturpapst aus der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Nur durch Intervention von Martina II., die ein klärendes Gespräch am 23. Januar im Seidenweberhaus (Termin der Prinzenproklamation, Anm. d, Red.) vorschlug, konnte der Prinz unter heftigem Applaus schließlich doch noch überzeugt werden.
Minister und Adjus
Mit feinen Reimen stellten sich die Minister vor: Udo Heymanns Minister für tu biete on tu schmiete.
Berthold Parschau Minister för karierde Maijlöckskes. Ingo Bollmann Minister för Jrosches on Jrö-emels. Willy Knoke Minister för Pömps on Pluute. Christian Haase Minister för Jold on Juwele.
Adjutant Seiner Tollität Horst -Robert Fusten. Adjutant Ihrer Lieblichkeit Rainer Wenders.
„Stimmt. Ich werde Prinz!“
Wie es zunächst im Hause Kockers überhaupt zu der Idee gekommen war, das Amt des Prinzenpaars zu übernehmen, schilderte der Präsident der prinzlichen Heimat-Gesellschaft Creinvelt und Exprinz Schorsch Rupp, als er einen Dialog zwischen dem Ehepaar wiedergab: Er soll ihr geraten haben: „Wenn du an eine Weggabelung kommst, nimm sie.“ Darauf sie: „Welche?“ Er: „Mittendurch!“ Sie: „Du Doll!“ Er: „Stimmt. Ich werde Prinz!“
Damit das nun gestern Wirklichkeit werden konnte, nahm Helmut Hannappel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der reich vertretenen Krefelder Karnevalisten, dem Prinzenpaar eine Reihe von Versprechungen ab. Dabei wird sich jedoch noch klären müssen, wie Martina II. ihre Zusagen einhalten will, jeden Kostümball mit einem Ehrentanz zu eröffnen. Denn Johannes IX. kann alles – außer tanzen. Dennoch kam es zur traditionellen Übergabe der Zepter durch die GKG 1878 und die „Fidele 11“.
Fehlte nur noch die Kapitulation von Oberbürgermeister Gregor Kathstede, der sich recht frech weigerte, den Rathausschlüssel auszuhändigen. Stattdessen verärgerte er Johannes IX., indem er dem FC Köln-Fan neben verschiedenen anderen „Präsenten“ einen Wimpel von Borussia Mönchengladbach verehrte und dem Prinzenpaar Schwimmflügelchen wegen dessen angeblich stets defekte Wasserbetts überreichte. Nur unter der Bedingung, dass Johannes IX. und Martina II. ihn am Aschermittwoch im Büßergewand wieder zurückgeben würde, gab der OB den Rathausschlüssel schließlich ab.
Nachspiel für den OB
Die Sache mit dem Büßergewand hatte für den OB noch ein Nachspiel: Da er nun im Rathaus nichts mehr zu sagen habe, schickte das Prinzenpaar ihn zum Schweigen ins Kloster, zog ihm eine Mönchskutte an und versah ihn mit reichlich Duschgel, auf dass er sich von allen Sünden reinwaschen möge.
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