Krefeld: Der Protest der Künstler
zuletzt aktualisiert: 06.02.2009Krefeld (RPO). Matthias Oelrich hat den Trumpf der Bürger gestern aus dem Ärmel blitzen lassen: "die Kommunalwahl". Dann könnten der Krefelder Bürgerstolz, den der Schauspieler in zwölf Jahren am Niederrhein kennengelernt habe, den Politikern die Quittung servieren für die "zweitschlechteste Lösung", die der Stadtrat gestern fürs Theater beschlossen habe. Oelrich stellte CDU, FDP und Krefelder Kreis ein mieses Zeugnis aus, weil sie das für viel Geld erstellte Actori-Gutachten in die Tonne geklopft hatten.
Der Schauspieler war einer der Redner, die gestern vor mehr als 250 Leuten auf dem Theaterplatz Flagge für die Vereinigten Bühnen zeigten. In flammender Rede zeigte er sein Unverständnis darüber, "dass Politiker so dumm sein können" und seine Erschütterung darüber, "mit welchen hämischen Bemerkungen Generalintendant Jens Pesel vom Hof gejagt und sein Nachfolger empfangen wird".
"Jeder weiß, warum er hier steht", sagte Ralf Cochann, Regisseur der Pappköpp. Und den Grund machte Manfred Coelen als die Stimme von Pappkopp Matthes klar: "Liebe Kulturfreaks, dieet die Politiker in dän Hingerschde treäne", appellierte er. Denn die Stadt brauche keine teuere Image-Kampagne, sondern die Einsicht, das zu bewahren, was ihr Image ausmache: Kultur. Auch Kabarettist Jochen Butz war zur Kundgebung gekommen, zu der die Freunde des Krefelder Theaters eingeladen hatten. Er zeigte Richtung Duisburg, wo sich in zehn Jahren kulturell und städtebaulich viel getan hat: "Die haben einen Masterplan. In Krefeld gibt es Flickschusterei statt des großen Wurfs."
Heinrich Rungelrath verglich das bewährte Gemeinschaftstheater mit Bühnen in Wuppertal und Aachen, wo jede Stadt so viel zahle wie Krefeld und Mönchengladbach zusammen: "Unser Theater dürfte nicht in Not sein, sondern müsste doppelt so viel Geld haben." Er appelliertean die Krefelder: "Gehen Sie möglichst oft ins Theater und nehmen Sie viele Freunde mit. Dann müssen wir um den Fortbestand nicht bangen."
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