Krefeld: Der verzweifelte Kohlhaas
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 02.02.2010Krefeld (RPO). Premiere im Kresctheater: Helmuth Wenderoth hat die Bearbeitung der Kleist-Novelle "Michael Kohlhaas" für einen Darsteller und eine rote Tür in Szene gesetzt. Viel Beifall für ein dichtes Stück für Zuschauer ab 14 Jahren.
Das Gesetz sollte "sein Herz wieder an den rechten Fleck rücken". Aber Kohlhaas, der Rosshändler, findet keine Gerechtigkeit, wird vom Opfer zum Täter – und bleibt doch Opfer feudaler Willkür. Was Heinrich von Kleist in seiner Novelle von "Michael Kohlhaas" erzählt, bearbeiteten Marco Baliani und Remo Rostagno als "Kohlhaas" für die Bühne. In der Kresch-Inszenierung von Helmut Wenderoth (Bühne Frank Andermahr, Ausstattung Jutta Plass) ist Helge Fedder ein Mann in schwarzer Hose, schwarzem Hemd und Weste, der vor schwarzem Hintergrund agiert.
Ein rotes Türbrett und ein roter Stuhl sind seine Requisiten. Fedder benützt sie als Erzähler der Geschichte und als Darsteller der Personen. Die Tür ist mal der Schlagbaum, der dem Rosshändler die Weiterreise versperrt, mal der Schweinestall, in den der Freiherr seine Rappen sperren lässt. Der Verlust dieser edlen Pferde macht Kohlhaas zu einem, der mit dem Schwert in der Hand Recht und Rache sucht.
Eine Falle für Kohlhaas
Fedder, wenn er Kohlhaas ist, ist einer, der nicht zu verstehen scheint, was ihm geschieht. Die Frau verliert Kohlhaas, weil sie bei einem Bittgesuch tödlich verletzt wird, Haus und Hof verkauft er, um mit seiner Bande mordend und brandschatzend den Freiherrn zu verfolgen. Wie er Städte in Schutt und Asche legt, so zerschlägt Fedder den Stuhl, das Türblatt wird zur Tafel für abzählende Kreidestriche und für ein Kreuz. "Nur die Ungerechten streben nach Rache" muss sich Kohlhaas von einem weisen alten Mann sagen lassen. "Ich hatte doch zwei Rappen" sagt Kohlhaas. Als er dennoch aufgibt, werden "seine Hände wieder rein". Aber ein Prozess lässt sich nicht gut an, einen Schlagbaum hätte es nie gegeben, und die Pferde hätte er doch verkauft, wird gegen ihn ausgesagt. Seine Leute rauben weiter, ihm wird eine Falle gestellt und er muss wegen Wortbruchs zum Galgen. Türblatt und Stuhlreste werden zu den letzten Stufen, die Kohlhaas hinaufsteigt, bevor auch diese zusammenbrechen.
Fedder ist der Kohlhaas, der Verständnis weckt und gleichzeitig Widerspruch. Er ist der verzweifelte Rechtsuchende und manchmal auch Nachdenkliche, der nicht Einsehende und der Wüterich. Mit der weißen Kreide an der schwarzen Kleidung trägt er am Ende die Spuren seiner Gewalttätigkeit. Die Figur wird trotz deutlicher Theatralik nicht eindimensional, sie wird fragwürdig, auch gerade, weil das erlittene Unrecht sie antreibt.
Ähnlichkeiten zu aktuellen politischen Zusammenhängen vermögen auch jugendliche Zuschauer zu finden, für die diese Inszenierung auch in den Schulen gespielt wird. Die Premiere bekam viel Beifall, klatschend und trampelnd würdigte man die schauspielerische Leistung und die dichte Inszenierung des Kreschtheaters.
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