Krefeld: Die Ärzte operierten im Palast
VON MICHAEL SENDER - zuletzt aktualisiert: 27.05.2008Krefeld (RPO). Der König-Palast war ausverkauft und das Publikum begeistert: Die Ärzte aus Berlin schmeichelten den Seidenstädtern („Krefeld ist schöner als Las Vegas“) und wussten durch zweieinhalb Stunden Rock pur zu gefallen.
Ärztebesuch am Sonntag: Klingt komisch, ist aber so. Wenn Ärzte ihre Praxis am Wochenende öffnen, muss es sich um etwas Ungewöhnliches handeln. Ungewöhnlich auch die „Praxis“: der König-Palast. Und die praktizierenden Ärzte waren gar keine wirklichen Ärzte, sie nennen sich nur so. Und irgendwie ziehen diese Ärzte Massen an. „Die beste Band der Welt“, wie sich die Berliner Rockband auch gerne nennt, sorgte am Sonntagabend für einen ausverkauften König-Palast und Ausnahmestimmung an der Westparkstraße. Die ganze Umgebung, so schien es, freute sich auf den Live-Gig.
Mann, Mythos und Schlagzeuger
Die Ärzte
Bandmitglieder Farin Urlaub (Gitarre, Gesang), Bela B. (Schlagzeug, Gesang), Rodrigo Goncales (Bass, Gesang)
Genre Punk, Rock
Gründung 1982
Trennung 1989
Wiedervereinigung 1993
Aktuelle Tour Jazzfäst 2008 mit 50 Live-Auftritten
Im Innenraum quetschte sich die Schar, und wirklich Platz auf den Sitzen hatten nur die, die „entweder zu alt oder zu breit“ waren, wie Sänger und Gitarrist Farin Urlaub feststellte. „Bei den Ärzten sitzt noch nicht einmal der Schlagzeuger.“ Bela B., „Mann, Mythos und Drummer“ benutzte sein Werkzeug tatsächlich stehend. Die Therapie nach dem Motto „Raus aus dem Alltag, hinein ins Vergnügen“ wirkte. Die Ärzte wussten ihre „Patienten“ zu beschäftigen. Sind sie doch dafür bekannt, dass die Interaktion mit dem Publikum ganz oben auf der Behandlungsliste steht.
In ihren Texten versuchen „Die Ärzte“ stets ein klein wenig Psychologie unterzubringen. „Du bist immer dann am besten, wenn’s dir eigentlich egal ist“, lautet eine ihrer vielen Lebensweisheiten. Dafür kommen ihre Fans so gerne zu den Live-Gigs. „Jazzfäst“ heißt die laufende Tour.
Der kommerzielle Erfolg hat aber nicht nur seine guten Seiten. „Die ersten Reihen hier stehen während des gesamten Konzerts mit Handy oder Digitalkamera in der Hand“, stellte Bela B. kurzerhand fest. Klar, Fotos und Live-Mitschnitte von den Rock-Idolen sind beliebt, besonders unter Teenies. „Es geht gar nicht mehr um das Primär-Erlebnis“, ergänzte Farin seinen Bandkameraden. Und morgen schon sind die Mitschnitte im Internet einsichtbar.
Drei Zugaben gab es am Ende. Zweieinhalb Stunden Rock pur. Zwischendurch versuchten sich die Protagonisten mit einem Funk-Stück „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend“.
Drei Zugaben gab es vielleicht auch deshalb, weil es der dreiköpfigen Band in Krefeld durchaus gefallen hat. „Las Vegas, du bist fast so gut wie Krefeld. Aber Krefeld ist viel schöner“, verkündeten die Hauptstädter in ihren Textzeilen. Und weil es so schön war, verkauften sich auch die „Ärzte im König-Palast – ich war dabei“-T-Shirts ganz gut zur Erinnerung an die heilsame Therapie im ungewöhnlichen Behandlungszimmer.
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