Krefeld: Die Eindringlinge
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 17.10.2006Krefeld (RPO). Harry Newmans Einakter Landnahme hatte in deutschsprachiger Erstaufführung Premiere in der Fabrik Heeder.
Ein Stück über Besatzer und Besetzte – und jede Menge offene Fragen.Harry Newman
Stücke Produzierte Werke sind u.a. „The Occupation“ (2001), „Correspondence“ (1996), „The Dark“ (1992“ und „The Good Mud“ (1989).
Übersetzung Newman Übersetzung (mit eric Overmyer) von patrick Süskinds „Kontravbass“ hatte 1985 Premiere und wurde in der Folge in den gesamten USA gespielt.
Kartentelefon 805-125.
Beispiele in der Weltgeschichte und der Gegenwart für Besatzer, die den Besetzten nur Gutes tun wollen, gibt es genug. Und Autoren wie Kafka, Beckett oder Sartre haben daraus schon Stoff für die Theaterbühne geformt. Harry Newman, ein junger amerikanischer Germanist, konnte in Kenntnis der weltpolitischen Lage und der Werke seiner Kollegen leicht einen neuen, 100-minütigen Bühneneinakter daraus bauen. „Landnahme“ hatte in deutschsprachiger Erstaufführung auf der Heeder-Bühne Premiere.
Hier wohnen Clarence (Ralf Beckord) und Persephone (Julia Nehmiz) im offenen Viereck einer Naturstein-Kulisse mit zwei Türen und einer Treppe (Bühne und Kostüme Katrin Horn) – einfache Landleute, die von David (Robert Brand) und dessen schwarz uniformierten Soldaten (Carsten Andörfer, Stefan Diekmann, Alexander Weichbrodt) im Auftrag einer höheren Macht heimgesucht werden. Neue Möglichkeiten sollen Fortschritt und Reichtum in das Tal bringen.
Piekfeiner Usurpator
Robert Brandt ist ein immer piekfein gewandeter, eloquenter und wortgewandter Usurpator, der sogar die nötigen Papiere und eine Nähmaschine herbeischafft, die Petition der Landleute aber zerreißt. Er vermittelt Glaubwürdigkeit. Der Autor lässt die Personen in plakativen Merksätzen – „Gewisse Opfer muss man höheren Zielen bringen“ – reden, und Regisseur Andreas Ingenhaag wollte sie wohl nicht zu Persönlichkeiten werden lassen. Besonders die drei Schauspieler in den Soldatenrollen scheinen unter ihren Möglichkeiten zu agieren. Man spielt ein wenig wilde Soldateska, fummelt mit Pistolen und denkt daran, eine Soldatengewerkschaft zu gründen.
Den tumben, zuerst ahnungslosen, aber guten Landmann gibt Ralf Beckord, ein wenig der Welt entrückt. Als er blutend heimkommt, sitzt Julia Nehmiz auf einer Matratze, die mit Stacheldraht umwunden ist. Sie flieht, trotz Ausgangssperre, ins Dorf, wo sich Gegenwehr gebildet hat, drückt später ihr Kind tot. Sie muss oft bedeutungsvoll auf die Szene schauen und könnte so auch im „Biberpelz“ mitspielen. Überall ist Krieg und Terror, und wozu das Ganze, fragen sich die Soldaten. Alle, die Besatzer und die wider Willen beglückte Landbevölkerung, wollen doch nur Frieden. Vielleicht können sie noch mal von vorne anfangen? Wie zu Beginn klopft es an der Türe, aber nun öffnet niemand. Sind alle frei, gibt es nun eine bessere Zukunft? Es schließt sich kein Vorhang, dennoch sind alle Fragen offen. Auch die, als was dieses Stück zu sehen ist. Als Unterhaltung oder Belehrung, Übungsaufgabe für den Regisseur oder als Beschäftigung für Schauspieler.
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