Krefeld: Die Folgen der Shopping-Mall
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.10.2009Krefeld (RPO). ECE will an der Stelle des Kaufhofs Ostwall ein Einkaufszentrum bauen. Die Stadt Wuppertal hat diesen Prozess hinter sich. Im Stadtteil Elberfeld baute ECE eine Shopping Mall – das Szenario dort ist vergleichbar mit Krefeld.
Die Reaktion kennt man bei ECE in Hamburg. Wo immer in Deutschland das Immobilienunternehmen eine Shopping Mall hochziehen will, wird Protest laut. In Krefeld fürchtet der Einzelhandel ein Ausbluten ganzer Straßenzüge, in Mönchengladbach, wo ECE eine Einkaufspassage plant, gibt es sogar ein Kritikerforum namens www.eceneindanke.de.
Welche Erfahrungen machen Städte, in denen ECE schon gebaut hat? Im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld stellte ECE vor acht Jahren ein Mega-Bauprojekt fertig: Die City-Arkaden sind das neue Herz der Innenstadt von Elberfeld. Der Bau hatte Sogwirkung, es gab aber auch Straßenzüge, die massive Probleme bekamen. Ähnlich könnte das Szenario für Krefeld aussehen.
"Man muss sich eben entscheiden, was man will", sagt Ralf Engel vom Bergischen Einzelhandelsverband. Anfangs zählte sein Verband, der sich für den Einzelhandel vor Ort einsetzt, in Wuppertal zu den Kritikern der City-Arkaden. Mittlerweile erkennt Engel klar Vor- und Nachteile des Konzeptes. Das unmittelbare Umfeld rund um das Einkaufszentrum profitiere von der Mall.
Aber: "Die weiter entfernten inhabergeführten Ladenlokale mussten teilweise dichtmachen." Ähnliches erwartet auch Juwelierin Gudrun Abeler für Krefeld. Sie ist gebürtige Krefelderin und betreibt heute in Elberfeld Juweliergeschäfte, eine Dependance sogar in den neuen City-Arkaden. "Für Krefeld könnte das ECE-Center ein großer Wurf sein", sagt sie. Die anfängliche Kritik in Wuppertal-Elberfeld habe jedenfalls stark nachgelassen.
85 Geschäfte im Haus
Am 10. Oktober 2001 wurden die City-Arkaden eröffnet. 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf vier Geschossen, 5000 zusätzliche Quadratmeter für Gastronomie und Dienstleistungen – ähnliche Dimensionen wie sie ECE für Krefeld plant. 85 Geschäfte sind in den City-Arkaden ansässig. Der Konzern hat feste Filialisten unter Vertrag, die in die ECE-Center einziehen. Dazu zählen auch Bonita, dm, Douglas, Fielmann, H&M, New Yorker, McPaper, Tchibo und Thalia. Alle diese Filialisten haben bisher auch in der Krefelder Innenstadt ein Ladenlokal.
Franz-Joseph Greve von der Krefelder Werbegemeinschaft befürchtet, dass sie in die neue Shopping Mall einziehen und die Krefelder Hochstraße künftig leer bleibt. In Wuppertal blieb dieser Effekt aus – "die Ansiedlung hatte Sogwirkung", sagt Martina Eckermann, Pressesprecherin der Stadt. Eine Konzentration des Handels habe stattgefunden, in deren Folge sich neue Unternehmen rund um die Arkaden niederließen.
Für Krefeld könne dies bedeuten, dass es bald die entfernteren Einkaufsbereiche – Marktstraße, Neusser Straße – schwerer haben. Ähnlich erging es in Wuppertal der Herzogstraße, einst Vorzeigemeile der Stadt, heute ein Problembereich. Die Kosmetikerin Ceynep Tahtaci hat dort ein Ladenlokal und sagt: "Krefeld soll sich bloß kein Einkaufszentrum zulegen, die haben bei uns alles kaputt gemacht. Vor 25 Jahren war unsere Straße noch prächtig, mittlerweile ist es hier nur noch trist." Dirk Wirths führt an der Herzogstraße in Elberfeld den Blumenladen Carpe Diem. Zwischenzeitlich war er auch mal in den City-Arkaden.
Heute sagt er: "In so große Einkaufszentren will ich meine Finger nicht mehr reinstecken. Aber für Wuppertal selbst ist das sicherlich eine Bereicherung."
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