Krefeld: Die glänzenden Augen der Grünen
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 10.05.2010Krefeld (RPO). Eine knappe halbe Stunde nach der Prognose erinnert die Versammlung der Grünen frappierend an einen Volkshochschulvortrag. Alle Leute auf den Stühlen schweigen. Knapp 40 Anhänger der Öko-Partei sitzen in der Gastronomie der Fabrik Heeder und nippen ab und zu an einem Glas Wein oder einem Glas Wasser, während aus dem Fernseher die neueste Hochrechnung vorgelesen wird. Beinahe könnte man sich bei der FDP wähnen, so still ist es. Aber wer in die Gesichter blickt, erkennt den Unterschied.
Rolf Rundmund, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Krefelder Rathaus, hat glänzende Augen. Und bei allen 40 Anwesenden zeigen die Mundwinkel steil nach oben. Die grüne Landtagskandidatin Heidi Matthias erklärt die Stille: "Wir hören zu und sind gespannt, ob es für Rot-Grün alleine reicht."
Gespräche in Gaststätten
Gegenüber der vergangenen Landtagswahl haben die Grünen ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Als die Prognose kam, war es in der Fabrik Heeder nicht ganz so still. "Ich kam gerade herein, als laut gejubelt wurde", sagt Matthias. Sie fuhr, wie üblich, mit dem Rad. Bis zuletzt hat sie gemeinsam mit ihrem Kandidaten-Kollegen Rainer Zimmermann Wahlkampf betrieben. "Gestern waren wir noch fast bis Mitternacht in Gaststätten unterwegs und haben Gespräche geführt. Gute Gespräche; die Leute hatten viele Fragen." Beide wirken ein wenig matt. Aber entspannt. Und glücklich. Das leuchtend grüne T-Shirt, das der Landschaftsgärtner Zimmermann im Wahlkampf trug, hat er auch an diesem Abend an. "Zeit für grün" steht da drauf.
Nicht in den Landtag
Beide wissen: In den Landtag werden sie trotz des guten Abschneidens ihrer Partei nicht einziehen. Ihre Namen stehen nicht auf der Landesliste. Dennoch gab es zahlreiche Stadtbezirke, wo mehr als zehn Prozent der Wähler ihre Erststimme an Matthias und Zimmermann gaben. Dass die Öko-Partei so stark zulegen würde, hatte Matthias geahnt. Bei einem Tippspiel gab sie "13 Prozent" an. "Naja, das kann ja noch werden", sagt sie und lächelt. "Ich freue mich, dass unser Programm bei den Wählern angekommen ist." Das gute Abschneiden führt sie darauf zurück, "dass die Leute begriffen haben, dass die Grünen gute Ideen haben und deshalb an der Regierung beteiligt werden sollten".
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