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Krefeld: Die Liebesgeschichte des Soldaten

VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008

Krefeld (RPO). Der Krefelder Christian Schulz-Sorau hat viele Jahre nach dem Tod seines Vaters Post erhalten. Vater Emil schrieb als Wehrmachtssoldat auf dem Russland-Feldzug eine Liebesgeschichte. Dieses Buch ist 67 Jahre später aufgetaucht. Für Sohn Christian eine Geschichte von hohem Wert.

Christian Schulz-Sorau im Wohnzimmer seines Freundes Manfred Overdick ­ in der Hand hält er das Buch seines Va ters, das auch Zeichnungen enthält.  Foto: Thomas Lammertz
Christian Schulz-Sorau im Wohnzimmer seines Freundes Manfred Overdick ­ in der Hand hält er das Buch seines Va ters, das auch Zeichnungen enthält. Foto: Thomas Lammertz

Es war ein kaltes Weihnachtsfest, das Wehrmachtssoldat Emil Schulz-Sorau 1941 auf dem Russland-Feldzug feierte. Er hatte Sehnsucht nach der Heimat, er wünschte sich zurück zu seiner Frau Erna und zu seinem kleinen Sohn Klaus-Peter, der gerade geboren war. Um den schrecklichen Krieg und die lange Zeit des Wartens zu vergessen, schrieb er eine unglaubliche Liebesgeschichte auf.

Das Buch verwahrte der Soldat, brachte es nach dem Krieg mit nach Berlin, wo es schließlich eine 17-jährige Berlinerin beim Trümmerräumen einer Schreibstube der Krupp-Kaserne in Berlin-Moabit fand. 63 Jahre verwahrte diese Frau, Ruth Hanke, das Buch, da sie die Geschichte sehr berührte. Erst im Jahr 2008, mittlerweile ist Ruth Hanke eine alte Dame, entschloss sie sich, der Familie des Autors auf die Spur zu kommen.

Sie kontaktierte die „Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht“. Die fand unter dem Namen des Autors einen Mann namens Christian Schulz-Sorau in Krefeld an der Hüttenallee – so gelangte die Liebesgeschichte zum Sohn nach Krefeld, wo sie seitdem wie ein reicher Schatz gehütet wird.

Völlig überrascht

Christian Schulz-Sorau kannte viele kreativen Facetten seines Vaters Emil. Er war nach dem Krieg bekannter Künstler im Lipperland, mehrere seiner Zeichnungen erschienen gesammelt in Buchform. Dass sein Vater aber eine Liebesgeschichte geschrieben hatte, und dann auch noch als Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg, wusste Christian Schulz-Sorau nicht. „Als dieses Buch im Postkasten lag, konnte ich das zunächst gar nicht glauben.“ Er hat die Geschichte gelesen, ihn hat sie tief berührt.

Als erstes sei ihm die „wunderschöne Schrift“ aufgefallen, Sütterlin-Buchstaben: „Da wusste ich, dass das mein Vater geschrieben hat.“ Die Geschichte, die Christian Schulz-Sorau gelesen hat, klingt wie ein Märchen. Sie geht so:

Der Wehrmachtshauptmann Emil Schulz-Sorau liegt mit seiner Kompanie vor Stalingrad, wo sie eine junge Russin treffen, von der alle Soldaten fasziniert sind. Sie trägt ein kleines Kind auf dem Arm und erzählt, dass ihr Mann auch im Krieg an der Gegenfront sei. Einige Zeit später, die Kompanie des Vaters ist bereits viele hundert Kilometer weiter marschiert, nehmen sie russische Soldaten fest – darunter ist ausgerechnet der Mann der jungen Frau mit Kind. Die Soldaten lassen den Mann frei, in der Hoffnung, dass er sich zu seiner Frau durchschlagen kann.

Christian Schulz-Sorau weiß nicht, ob sein Vater sich die Geschichte ausgedacht hat oder ob sie wirklich so geschah. Doch er weiß von den Grauen des Krieges und dass an der harten Front vieles idealisiert wurde. Für ihn aber ist es die Liebesgeschichte, die zeigt, wie sein Vater die Grauen des Krieges kompensierte. Und er glaubt, dass sein Vater darin die eigene Familientragödie verarbeitete. Denn auch seine eigene Frau, Christian Schulz-Soraus Mutter, war mit ihrem ersten 1941 geborenen Sohn Klaus-Peter alleine in Deutschland und wartete auf ihren Mann. „Einzig geliebte Frau“, schrieb Emil Schulz-Sorau in der Widmung des Büchleins, dem er den Titel „Einer langen Sehnsucht Erfüllung“ gab.

Mit „Lippischer Rose“ geehrt

Die Mutter allerdings hat diese Liebesgeschichte nie zu Gesicht bekommen. Emil Schulz-Sorau wurde in Stalingrad verwundet, kam zurück nach Deutschland, geriet an der Elbe in amerikanische Gefangenschaft und kam über Rheinberg am Niederrhein später nach Ostwestfalen. Dort wurde er anerkannter Künstler, bekam später unter anderem die „Lippische Rose“ verliehen. Doch über seine Liebesgeschichte, die er zum Weihnachtsfest 1941 aufschrieb, hat Vater Emil danach nie mehr gesprochen.

Christian Schulz-Sorau ist der Berlinerin Ruth Hanke unendlich dankbar, dass sie sich entschloss, es noch an ihn zu schicken. Er wird die Aufzeichnungen seines Vaters verwahren, denn sie sind das größte Geschenk, dass er in diesem Jahr erhalten hat. „Für mich ist das Buch sehr wertvoll, die Geschichte zeigt für mich den Zusammenhalt meiner Familie, die große Liebe meines Vaters für meine Mutter.“

Quelle: RP

 
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