Krefeld: Die Mängelliste der Feuerwache
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.08.2007Krefeld (RPO). Seit Jahren hoffen die Feuerwehrmänner an der Florastraße auf die neue Wache. Die Schäden werden von Jahr zu Jahr größer. Der Sanierungsetat für 2007 ist fast aufgebraucht, obwohl vieles in Eigenleistung repariert wird.
Gestern Vormittag auf dem Hof der Feuerwache Florastraße. Auf einer Leiter steht Lothar Jaspers und repariert die Dachrinne. Drinnen werkeln zwei Kollegen an einer Zimmerdecke. „Alles nur Flickschusterei“, sagt Horst Praß. Der Einsatzleiter der Feuerwehr koordiniert im Nebenberuf alle Handwerksarbeiten am Gebäude. 100 000 Euro sind vom Rat der Stadt jährlich für Reparaturmaßnahmen genehmigt. „Im Juli fange ich jedes Jahr an zu rechnen, weil der Sanierungsetat aufgebraucht ist“, sagt Praß. Krefeld hat die älteste Wache in NRW. Feuerwehrchef Josef Dohmen: „Wir investieren an der Florastraße Zeit und Geld, dabei könnte man viel besser in ein neues Gebäude investieren.“ Die Mängelliste:
Warten auf den Umzug
Standort Das Hickhack um den neuen Sitz der Wache hat Spuren hinterlassen. „Hier glaubt keiner mehr an den Umzug“, sagt Horst Praß. Er und seine Mannschaft glauben erst an den Umzug, wenn die Gespräche über den Grundstückskauf abgeschlossen sind. Personal 27 Feuerwehrmänner arbeiten im Normaldienst, 13 in der Nebenwache, zusätzlich 20 in der Verwaltung.
Räumlichkeiten Zwar sind die Einsatzfahrzeuge auf modernem Stand, allerdings passen sie nicht in die Hallen. Deshalb sind bei der Krefelder Feuerwehr alle Fahrzeuge tiefer gelegt. Wenn sie ausfahren, müssen erst wegen der engen Tore die Spiegel eingeklappt werden.
Ausfahrt Die Feuerwache wurde vor 100 Jahren gebaut. Dohmen: „Damals waren wir mit Berlin eine der modernsten Wachen in Deutschland .“ Heute steht die Feuerwache Florastraße unter Denkmalschutz – mit verheerenden Auswirkungen für den Tagesbetrieb. Praß beschreibt einen normalen Einsatz: „Wenn die großen Einsatzfahrzeuge die Halle verlassen, müssen mehrere Kollegen die großen Holztore öffnen. Ein Kollege rennt dann mit einer Kelle auf die Straße und stoppt den laufenden Verkehr.“
Umkleidekabinen Aufgrund veränderter Arbeitzeiten bekommt die Feuerwehr zusätzliches Personal. Längst reichen die räumlichen Kapazitäten nicht mehr aus. Container müssen angeschafft werden. Die stehen bald vor dem Turm und behindern dann die Arbeiten, die dort durchgeführt werden müssen.
Parken Dicht an dicht stehen die Privat-PKW der Feuerwehrleute an der Einfahrt. Manche drängen sich in zweiter und dritter Reihe. „Das Parken ist hier echt ein Problem“, erklärt Horst Praß.
Anwohner Feuerwehrchef Dohmen lobt: „Es ist unglaublich, welche Belastungen die Anwohner auf sich nehmen.“ Nicht nur Lärm durch die Martinshörner stört. Nachts gibt es oft eine extreme Geräuschkulisse, wenn wir nach einem Sturm wie Kyrill die Kettensägen testen oder im Winter spontan Schneeketten auflegen müssen.“
Ruheräume Die Feuerwehrleute schlafen während ihrer Nachtdienste in Ruheräumen, die den spröden Charme einer 50-Jahre-Jugendherberge vermitteln.
Horst Praß hat noch fünfeinhalb Jahre bis zur Rente. Die Mängelliste, so weiß er, werde mit jedem Dienstjahr länger. Und optimistisch im Bezug auf einen möglichen Umzug klingt es nicht, wenn er sagt: „Ich glaube nicht, dass ich in der neuen Feuerwehrwache noch arbeiten werde.“
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