Krefeld: Die Rettung für SinnLeffers
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.11.2008Krefeld (RPO). Perfekte Adventsfreude: Die Krefelder SinnLeffers-Filiale bleibt erhalten. Alle 74 Angestellten sollen bleiben. Das teilte gestern die Geschäftsführung mit. Bei den Mitarbeitern flossen danach Freudentränen.
Um 9 Uhr versammelten sich gestern Morgen die 74 Mitarbeiter der Krefelder SinnLeffers-Filiale in der Betriebskantine an der Hochstraße. Keiner von ihnen wusste, welch freudige Nachricht sie erwartet. Die SinnLeffers-Geschäftsführung aus Hagen war angereist. Als sie die Nachricht von der Rettung verkündete, brandete in der Kantine lauter Jubel auf, manche Mitarbeiter weinten vor Freude. „Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk“, sagte eine Mitarbeiterin.
Die Wende kam überraschend. Dass die insolvente Kette SinnLeffers einen Teil ihrer Filialen schließen wollte, hatte sie vor drei Monaten verkündet. SinnLeffers in Krefeld sollte Ende Februar 2009 schließen. Doch gestern teilte ein Unternehmenssprecher überraschend mit, dass die Häuser in Krefeld und Münster jetzt doch erhalten bleiben. Die Entscheidung zur Rettung sei bei Nachverhandlungen mit den Vermietern und dem Gesamtbetriebsrat gefallen. Der Eigentümer der Immobilie hat seine Mietforderungen zurückgeschraubt. Die Belegschaft, so Filialleiter Wolfgang Stenzel, bekomme aber weiterhin das gleiche Gehalt.
Insolvent
SinnLeffers hatte im August Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Als Ursache verwies das Unternehmen auf die Kaufzurückhaltung der Verbraucher und zu hohe Mieten. Das Insolvenzverfahren war am 1. November eröffnet worden.
22 von 47 Filialen sollen dennoch geschlossen werden. Rund 1300 der 3700 Beschäftigten seien gekündigt worden. Der Insolvenzplan soll im März 2009 zur Abstimmung gestellt werden.
„Kündigung für den Müll“
In der Filiale an der Hochstraße herrschte ausgelassene Stimmung. Einen Tag zuvor noch hatten viele Mitarbeiter die schriftliche Bestätigung der Kündigung erhalten. „Unser Chef hat gesagt, dass wir die Kündigungen in den Müll schmeißen können“, sagte eine Verkäuferin. Eine andere Frau ergänzte unter Tränen: „Manche Kollegen hatten sich hier schon nach Jobs umgeschaut. Für viele Verkäuferinnen geht es um die Existenz, sie sind alleinerziehend, brauchen das Geld dringend.“ Abends wurde bei einem Glas Sekt die Rettung begossen.
Derzeit sind viele der Artikel in der Filiale noch radikal rabattiert. Filialleiter Stenzel: „Wir machen die normalen Rabattangebote weiter mit, aber die jetzigen Aktionen werden nach und nach eingestellt. Neue Ware ist schon bestellt.“ Eine Mitarbeiterin sagte: „Wir hoffen, dass wir jetzt viele unserer alten Kunden wieder gewinnen können.“
OB Kathstede formulierte seine Freude in einer Pressemitteilung: „Das ist ein wichtiges Signal für Krefeld.“ Franz-Joseph Greve, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, sagte: „Das ist die beste Nachricht für den Krefelder Einzelhandel seit langem.“ Erleichtert zeigte sich auch Joel Smolibowski, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes: „Ich bin glücklich. Das ist ein echtes Weihnachtsgeschenk für die Innenstadt. Die Wirtschaftsförderung und wir haben uns sehr bemüht, aber es war schwierig, einen Nachfolger zu finden.“ Smolibowski glaubt fest daran, dass sich die Marke SinnLeffers schnell rehabilitiert: „Das ist eine starke Marke. Die Krefelder sind glücklich, dass sie bleibt.“
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