Krefeld: Dieter Hallervorden glänzt bei Kabarett-Preisverleihung
zuletzt aktualisiert: 19.04.2010 - 12:13Krefeld (RPO). Am Freitagabend erhielt Dieter Hallervorden den Ehrenpreis „Krefelder Krähe“. Der 74-jährige Kabarettist sagte: „Ich habe einen innigen Hang zu Vögeln.“ Die Nachwuchskünstler reizten das Zwerchfell der Zuschauer mit scharfen Humor und musikalischen Highlights.
Auch alte Hasen haben noch Muffensausen. „Ick bin zu nervös“, sagte Dieter Hallervorden. Deshalb beobachtete er seine eigene Preisverleihung nicht aus der ersten Reihe, sondern hinter der Bühne. Doch einmal auf der Bühne, konnte den liebenswürdigen Ausnahme-Kabarettisten mit dem stets leicht abstehenden weißem Haar am späten Freitagabend kaum jemand zum Aufhören bewegen. Dies wollte aber auch keiner im fast ausverkauften Seidenweberhaus. Hallervorden kommentierte: „Haben Sie keine Betten oder wollen Sie mich verscheißern?“
Zum 25-jährigen Jubiläum der Krähen erhielt dieses Jahr Dieter Hallervorden die goldene Krähe. „Über diesen Preis freue ich mich besonders. Ich habe einen innigen Hang zu Vögeln“, scherzte der 74-jährige Kabarettist frivol, der durch die Verkörperung des schrulligen Didis berühmt geworden ist. „Oft wird er auf „Palim Palim“ reduziert, aber das wird seinem Schaffen nicht gerecht“, betonte Jochen Butz in seiner Laudatio. Hallervorden habe Kultstatus erreicht. „Das unterscheidet Sie von den heutigen so genannten Comedians.“
Flucht 1958 floh Hallervorden von Dessau nach Westberlin.
Legende Angeblich plante er ein Attentat auf Walter Ulbricht. Eine Freundin habe ihn gestoppt, behauptet der Kabarettist.
Auftritte „Nonstop Nonsens“ in den 70er Jahren, Didi, „Verstehen Sie Spaß?“, Synchronsprecher von Marty Feldmann u.a.
Dass Hallervorden die Bühne und den Humor nach wie vor liebt, das war deutlich zu spüren. So gab er eine Zugabe nach der anderen und spielte auch den Sketch „Kuh Elsa“ mit einer Frische und Freude, die ansteckend wirkte. „Ich gehe nicht aufs Abstellgleis, ich bleibe dabei und mache weiterhin meinen Beruf“, kündigte er an.
Bereits seit fünf Jahren veranstaltet das gemeinnützige Kabarett „Die Krähen“ den Wettbewerb. Abwechselnd werden Nachwuchskünstler und Altmeister mit der Trophäe und einem Preisgeld gewürdigt. „Durch diese Kombination hat der Preis einen besonderen Stellenwert erreicht. Wir mischen Bewährtes mit Neuem“, sagte Krähen-Vater Jochen Butz.
Und so war das Programm am Abend sehr bunt gemischt. Ein Highlight war der fulminante Auftritt des Bundeskabaretts aus Bonn, die 2009 den zweiten Platz beim Nachwuchswettbewerb der Krähen belegten. Das Trio zeigte einen energiegeladenen Auftritt voll von bissiger Gesellschaftskritik, die durch die Gestik der Nachwuchskabarettisten abgerundet wurde. Doch die Begrüßung war grenzwertig: „Sie sollen abgehen wie eine afghanische Straßensperre: Explodieren Sie!“ In den nächsten Minuten drohte tatsächlich bei vielen Zuschauern etwas zu explodieren: Das Zwerchfell.
Hallervorden selbst glänzte durch ausdrucksstarke Mimik und Gestik: Weit aufgerissenen Augen, spitzbübisch gezogene Lippen, Achselzucken, Haare raufen. Der Anblick von Hallervorden bereitete große Freude. Den Fotograf, der ihn mit dem Blitzlicht störte, vertrieb er wortgewandt: „Ich werde geblitzt- Bin ich zu schnell oder was?“
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