Krefeld: Drei Zimmer Musik
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.12.2010Krefeld (RPO). Michael Streubel, Mitarbeiter des städtischen Presseamtes, spannt nach getaner Arbeit in Uerdingen zwischen seinen Platten und CDs aus. Damit er sich auch nach Jahren noch zurechtfindet, wird alles mit einem Code versehen.
Zur Person
Rolf-Michael Streubel wurde 1955 in Wanne-Eickel geboren, kam als Junge nach Krefeld, studierte nach Abitur Politik und Sozialwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn und erhielt eine Referentenstelle für Medienfragen im Landtag. Später arbeitete er bei der RP, dann beim Presseamt.
Uerdingen Das Wort Sammeln mag Michael Streubel eigentlich nicht. "Sammeln ist genau genommen Schwachsinn", sagt er mit einem leichten Anflug von Zynismus. Dabei ist er wahrscheinlich das, was man gemeinhin als klassischen Sammler bezeichnen würde: 10 000 Musikalben, 4000 Langspielplatten und 6000 Compact Discs besitzt der 54-jährige Uerdinger mittlerweile, jede Woche kommen neue Werke per Postbote dazu. "Ich habe allein unter dem Buchstaben B mehr als die meisten Krefelder in ihrer gesamten Sammlung." Seine Alben sortiert er in seinen Musikzimmern A - L und L - Z ein, L - Z ist auf zwei Räume verteilt. In den Zimmern steht jeweils eine Musikanlage, wenn Streubel das Krefelder Rathaus verlassen hat, in dem er als Pressesprecher arbeitet, dreht er nicht selten die Anlage auf.
"Bin mein eigener DJ"
Das Musiksammeln hat sich gewandelt, seitdem es MP3 gibt, seitdem man Musik im Internet downloaden kann und Tonträger nicht mehr physisch in der Hand legen. Michael Streubel will aber bei CDs und LPs bleiben. "Das Internet ist der Tod des Musiksammlers", sagt er – längst nicht mehr jedes alte Album werde dort in einigen Jahren verfügbar sein. Es gibt Bands, die ihn seit der Jugend begleiteten: Jazz von Coltrane, Abdullah Ibrahim oder Miles Davis, Rockmusik von The Doors, Neil Young, Lou Reed, aber auch neue Sounds von Mando Diao oder Belle & Sebastian. "Ich bin mein eigener DJ", sagt Streubel.
Es gab eine Phase in seinem Leben, da drohte die Leidenschaft zu erkalten; Streubel fand keine gute Musik mehr. "Das war Anfang der Achtziger zu Hochzeiten der Neuen Deutschen Welle. Diese Musik hat mich nie interessiert." Streubel dachte daran, sein Hobby aufzugeben. Doch dann entdeckte er zuerst schwarze Bluesmusik, fand Gefallen an amerikanischem Psychedelic-Sound, und einen neuen Sinn für sein Hobby. "Es gibt seltsamerweise immer etwas, das mich begeistern kann, in den Achtzigern kamen Bands wie Rain Parade und Musiker wie Steve Wynn, später dann der Grunge mit Nirvana." Seine Sammlung bearbeitet er so ordentlich wie ein Museumsdirektor. Jedes neue Werk wird in einer Liste nach einer bestimmten Codierung gekennzeichnet, mit Titel, Interpret, Erscheinungsjahr, Plattenlabel und seltsamen Zahlencodes, die nur Streubel versteht.
Nicht selten muss er, weil das Regal das Buchstaben B oder E überquillt, die komplette Sammlung neu sortieren, dann werden alle folgenden Buchstaben weiter nach hinten geräumt. Bisher hat sich noch immer ein Platz gefunden.
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