Krefeld: Drogentote: Neuer Höchststand
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 23.01.2007Krefeld (RPO). Die Zahl der Drogentoten ist in Krefeld in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.
Elf Junkies starben laut Polizei im Jahr 2006. Könnte eine Fixerstube die Opferzahlen senken?Fixerstube
Erwünscht Durch den Drogenkonsumraum soll den Abhängigen ein niedrigschwelliges Hilfsangebot gemacht werden. Die Belastungen der Öffentlichkeit sollen reduziert werden, Gesundheitsgefahren der Kranken gesenkt werden.
Geduldet Der Besitz und Konsum geringer Drogenmengen zum Eigenverbrauch.
Verboten Der Handel mit Drogen.
2004: sechs Drogentote. 2005: sieben Drogentote. 2006: elf Drogentote. Trotz eines gut ausgebauten Hilfesystems ist die Zahl der Drogentoten in Krefeld in den vergangenen drei Jahren stark angestiegen. Das teilte die Polizei jetzt auf Anfrage der Rheinischen Post mit. Die Zahl der Drogenopfer hat damit einen neuen Höchststand erreicht.
Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) hat angekündigt, die Drogenszene am Theaterplatz „zu sprengen“ (RP berichtete). Die Polizei schätzt, dass mehr als 100 Personen zum harten Kern der Szene zählen. „Das Gewaltpotenzial auf dem Theaterplatz kippt. Die Szene vermischt sich mit Kriminalität von außen“, sagt Kathstede. Neben „null Toleranz“ bei Gewalt und Beschaffungskriminalität will sich der OB zugleich für Hilfsangebote einsetzen. „Rein theoretisch“, sagt der CDU-Mann, „habe ich auch mit Fixerstuben keine Probleme“.
20 Todesfälle verhindert
Im Suchtbericht 2006 der Bundesregierung heißt es: „Drogenkonsumräume tragen dazu bei, öffentliche Drogenszenen zurückzudrängen. Außerdem haben sie mit dazu beigetragen, dass Drogentodesfälle unter langjährigen Heroinabhängigen in den letzten Jahren reduziert werden konnten.“ Birgit Fischer, frühere SPD-Gesundheitsministerin von NRW, nennt eine Zahl: Allein die Drogenkonsumräume in NRW hätten bis 2003 20 Todesfälle verhindert.
Der elfte ist vor wenigen Tagen in Düsseldorf entstanden – nach siebenjähriger Diskussion im Stadtrat: ein Hinterhof in der Nähe des Bahnhofs, ein Anmeldeschalter, eine Tür – dahinter ein verspiegelter Raum. Rundum läuft ein Sideboard aus Metall. Davor stehen acht Stühle. „Der Vorteil hier ist, dass Drogen unter Aufsicht und guten hygienischen Bedingungen eingenommen werden können und dass das nicht in irgendeiner Ecke abläuft“, erklärt Joachim Alxnat, Leiter der Düsseldorfer Drogenhilfe.
Die längsten Erfahrungen mit Fixerstuben hat NRW-weit die Stadt Münster. „Seit der Eröffnung im Jahr 2002 ist die Anzahl der Konsumvorgänge auf gleichem Niveau“, sagt Dr. Wolfgang Schneider, Geschäftsführer des betreibenden Vereins Indro. 47 Drogensüchtige konsumieren dort täglich. „Im Sommer geht die Zahl zurück, weil dann mehr im Freien konsumiert wird“, erklärt Schneider. Seit Inbetriebnahme seien 88 lebensbedrohliche Drogennotfälle aufgetreten, die dank Notarzt bzw. Transport ins Krankenhaus glimpflich ausgegangen seien. „Der Anspruch, Überlebenshilfe zu gewährleisten, kann als erfüllt angesehen werden und spricht eindeutig für die Einrichtung von Drogenkonsumräumen.“
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