Krefeld: Durch Hagel in die Schulden
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.11.2008Krefeld (RPO). Nach dem Unwetter vor sechs Monaten warten noch immer viele Krefelder auf das Geld der Versicherung. Bei der Verbraucherzentrale gehen viele Anfragen ein. Die Versicherer sehen als Grund für die Mängel häufig die Bausubstanz.
Nach dem Hagel kam der Schaden – und danach kamen die Schulden. Die Krefelder Verbraucherzentrale erreichen derzeit vermehrt Anfragen von Hausbesitzern, deren Versicherungen immer noch nicht für die Reparaturen gezahlt haben. Um den Schaden schnell zu beheben, haben viele vorerst aus eigener Tasche bezahlt. Die Schadensfälle bewegten sich im Rahmen von 2500 bis 7500 Euro. „Manchmal mussten die Geschädigten dafür sogar Kredite aufnehmen“, sagt Dr. Susanne Zöphel, Honorarrechtsanwältin der Verbraucherzentrale Krefeld.
Durch das Unwetter im Frühjahr brach für die Versicherungen eine arbeitsreiche Zeit an. Viel Arbeit macht der Branche die Begutachtung der Schäden an Wohngebäuden. „Da hapert es immer noch“, sagt Susanne Zöphel. Grund sei, dass sich die Schäden am Haus weitaus schwerer auf Hagel zurückführen lassen – bei Autos sieht man die Beulen, bei Schäden am Haus sei die Ursachenfindung diffiziler. Zöphel: „Die Versicherer schieben mittlerweile die Schuld häufig auf mangelhafte Bausubstanz.“ Bleiben jetzt die Hausbesitzer trotz Versicherung auf den Kosten sitzen?
Mehr Kosten
Durch Hagelschäden mussten die Kaskoversicherer 2008 rund 300 000 Schäden mit einem Schadenaufwand von rund 500 Mio. Euro regulieren. Bei dem Unwetter „Kyrill“ lag der Aufwand für die Schäden bei gerade einmal 150 Millionen Euro.
Die Verschuldungstheorie mag Eginhard Schmitz, Versicherungsvertreter der DBV Winterthur in Krefeld, nicht glauben. Er sagt: „Dass sich ein Kunde verschuldet, ist bei uns nicht denkbar. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es bei anderen in der Branche der Fall ist. Normalerweise meldet der Kunde einen Schaden, und wir genehmigen die Reparatur. Danach zahlt die Versicherung den Handwerker.“ Viele Krefelder haben anders gehandelt – damit ihr Haus sicher vor dem nächsten Unwetter ist.
Auch Dachdecker Joachim Höffges hat seine Erfahrungen mit dem Hagelunwetter gemacht. Er sagt: „Manche Handwerker haben mit dem Dollarzeichen im Auge mit den Arbeiten begonnen. Viele Kunden haben aber Aufträge verteilt, ohne die Zustimmung ihrer Versicherung zum Auftrag erhalten zu haben.“ In diesem Fall stünden die Handwerker und Kunden jetzt natürlich auf dem Schlauch.
Der Versicherungsexperte Schmitz glaubt nicht, dass seine Kollegen nur auf Zeit spielen: „Es kann höchstens sein, dass einige Handwerker nach dem Gutachten mehr Schäden entdeckt haben und deshalb die Kosten in die Höhe stiegen. So konnte es zu Verzögerungen kommen. Aber das sind meiner Meinung nach nur Ausnahmen.“
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