Krefeld: EGK-Affäre weitet sich aus
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010Krefeld (RPO). Neuer Vorwurf gegen die beiden Geschäftsführer der Entsorgungsgesellschaft Krefeld: Sie sollen leitende Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt haben, um sie danach mit üppigen Beraterverträgen einzukaufen.
Die Schwarzgeldaffäre bei der Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK) ist offenbar nicht der einzige Grund, warum die beiden Geschäftsführer Dirk Sievert und Gerd Mützenich entlassen wurden. Wie unsere Redaktion am Dienstagaus sicherer Quelle erfuhr, sollen die Chefs Mitarbeiter in Leitungsfunktion in den Vorruhestand geschickt haben, um diese danach mit üppigen Beraterverträgen wieder einzustellen.
Der Mutterkonzern Stadtwerke Krefeld (SWK), zu dem die EGK gehört, soll über die Personalentscheidungen nicht informiert gewesen sein, obwohl dies laut Satzungsrecht verpflichtend gewesen wäre. "Es geht in diesem Fall um mehr als nur die Schrottkasse. Mit Rücksicht auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft will ich mich jedoch nicht weiter äußern", sagte gestern SWK-Vorstandsmitglied Carsten Liedtke. Die SWK haben die renommierte Düsseldorfer Rechtsanwaltskanzlei Simmons & Simmons eingeschaltet. Ein Anwalt der Kanzlei war es auch, der Montag den Aufsichtsrat informierte.
Beiden Geschäftsführern ist fristlos gekündigt worden. Liedtke hat es ihnen am Telefon mitgeteilt. Gehälter kassieren sie ab sofort nicht mehr. Um eine lange gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden, könnten nach RP-Informationen allerdings Abfindungen gezahlt werden. Bisher liegen noch keine Hinweise darauf vor, dass sich Mützenich und Sievert persönlich bereichert haben. Sie machen derzeit Urlaub im Ausland.
Das Verhältnis zwischen den EGK-Geschäftsführern und der Muttergesellschaft war offenbar schon länger zerrüttet. 20 Jahre leiteten Mützenich (57) und Sievert (63) die Müllverbrennungs- und Kläranlage nach der Privatisierung. Sie waren zuletzt federführend mit dem Bau des Millionenprojektes "Ersatzkessel 2" betraut, das 2011 in den Probebetrieb geht.
Die RP befragte gestern auch die Ratsfraktionen zur EGK-Affäre. Den Fraktionen wird die Affäre zu heiß – keine Partei wollte Stellung nehmen. Politisch schlug das Thema am Dienstag wie eine Bombe ein, die Fraktionen waren nicht über den Schritt der SWK informiert.
Ein besonderes Auge werfen die Parteien auch deshalb auf den Fall, weil Krefeld durch den neuen NRW-Abfallwirtschaftsplan mehr auf Nachbarkommunen angewiesen ist. Städte ohne eigene Anlage sollen bald NRW-weit dort ihren Abfall verbrennen lassen können, wo es billig ist. Die EGK-Affäre habe Krefelds Verhandlungsposition geschwächt, fürchten Ratsmitglieder.
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